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S&P holt zum Rundumschlag in Europa aus

Alarmstufe rot: die ganze Eurozone ist im Visier der Ratingagentur. (Bild: Keystone)

Die mächtige US-Ratingagentur Standard & Poor's droht Deutschland, Frankreich und praktisch allen anderen Euro-Ländern mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit.

Veröffentlicht am 06.12.2011

Deutschland, bisher mit der Top-Bonitätsnote AAA bewertet, könnte um eine Stufe abgewertet werden, teilte S&P am Montgabend mit. Wegen der sich verschärfenden Schuldenkrise stehe das bisherige Rating auf dem Prüfstand. S&P nimmt auch das AAA-Land Frankreich ins Visier, das wie weitere Staaten sogar um zwei Stufen gesenkt werden könnte.

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy reagierten umgehend: «Deutschland und Frankreich bekräftigen ihre Überzeugung, dass die heute von beiden Regierungen gemeinsam gemachten Vorschläge die haushalts- und wirtschaftspolitische Koordinierung der Eurozone stärken und so Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum fördern werden», hiess es in der Erklärung.

S&P begründete den Schritt mit einer besorgniserregenden Entwicklung in der von der Schuldenkrise gebeutelten Euro-Zone. In den vergangenen Wochen habe der Druck auf die Kreditwürdigkeit des gesamten Währungsraums zugenommen. Die Agentur bescheinigte der Politik anhaltende Unstimmigkeiten darüber, wie mit der Krise umgegangen werden soll.

S&P kündigte an, die Überprüfung nach dem EU-Gipfel am kommenden Freitag so schnell wie möglich abzuschliessen. Ein negativer Ausblick bedeutet, dass die Agentur ihre aktuelle Bewertung von Staatsanleihen überprüft und in weniger als drei Monaten über eine Herabstufung entscheidet.

15 Euro-Länder auf dem Prüfstand

Insgesamt 15 der 17 Euro-Staaten nahm die Agentur auf ihre Liste mit negativem Ausblick. Davon ausgenommen sind Zypern und Griechenland: Zypern steht bereits unter besonderer Beobachtung, und griechische Bonds werden von S&P längst mit CC bewertet - was auf eine hohe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls in näherer Zukunft verweist.

Je höher die Bonitätsnote, desto günstiger kommen Schuldner an Geld. In der Schuldenkrise hatten die Einschätzungen der mächtigen Ratingagenturen immer wieder für Wirbel gesorgt. Nach Herabstufungen wurde es für finanziell angeschlagene Länder immer schwerer, sich am Kapitalmarkt Geld zu besorgen. Die Krise verschärfte sich dadurch.

S&P erklärte, die Noten für Deutschland, Österreich, Belgien, Finnland, Luxemburg und die Niederlande könnten um eine Stufe gesenkt werden. Für die anderen Länder könne es um bis zu zwei Stufen abwärtsgehen.

Weiterer Versuch der Stabilisierung

Die beiden anderen grossen Ratingagenturen, Moody's und Fitch, hatten unlängst erklärt, sie könnten ihre Bewertungen auf den Prüfstand stellen. Bisher halten sie aber an einem stabilen Ausblick für die Euro-Länder mit Bestnoten fest. Das sind neben Deutschland und Frankreich auch Österreich, Finnland, Luxemburg und die Niederlande.

Am Montag hatten mit Deutschland, Frankreich und Italien drei Schwergewichte der Euro-Zone einen weiteren Versuch unternommen, das Vertrauen der Märkte wieder zu stärken. Merkel und Sarkozy präsentierten erste Ideen, wie sie für eine verbindlichere Einhaltung der Schuldengrenzen sorgen wollen. Italiens neuer Ministerpräsident Mario Monti stellte ein Reformpaket über 30 Milliarden Euro vor.

(laf/awp/sda)

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