Der französische Finanzminister François Baroin hat die Herabstufung Frankreichs von AAA auf AA+ bereits zuvor angekündigt. Das sei keine Katastrophe, da AA+ immer noch ein gutes Rating sei, sagte Baroin.

Die Herabstufung bedeute aber, dass Frankreich seine Reformen ausweiten müsse. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone hat besonders mit der Schuldenkrise zu kämpfen, weil die Banken des Landes stark in den Problemländern engagiert sind.

Für Frankreich kann sich die schlechtere Note jedoch in höheren Zinsen niederschlagen. Zwingend ist das nicht, wie die erfolgreiche Anleihen-Emission Italiens zeigte. Die Herabstufung könnte auch Folgen für die Eurozone im Kampf gegen die Schuldenkrise haben. Frankreich ist in der EU massgeblich am Rettungsfonds EFSF beteiligt.

Kein neues Sparprogramm

Frankreich war in letzter Zeit unter Druck der Ratingagenturen geraten. Gründe sind die hohe Staatsverschuldung und die Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise. Die Regierung hatte bereits zwei rigide Sparpläne mit einem Gesamtvolumen von mehr als 70 Milliarden Euro aufgelegt, um das hohe Haushaltsdefizit zu drücken. Paris werde nach dem Verlust der Top-Bonität kein neues Sparprogramm auflegen, sagte Baroin.

Die französische Opposition nutzte die Nachricht von der Herabstufung 100 Tage vor den Präsidentschaftswahlen für heftige Kritik an Staatschef Nicolas Sarkozy. «Letztendlich wird diese Präsidentschaft die des Verfalls von Frankreich sein, des finanziellen Verfalls, des sozialen Verfalls und des moralischen Verfalls», sagte der sozialistische Senatsabgeordnete François Rebsamen der Nachrichtenagentur AFP.

Auch Österreich verliert sein Top-Rating und wird nun mit «AA+» bewertet. Grund ist offenbar das starke Engagement österreichischer Banken in Osteuropa, insbesondere in Ungarn. Italien büsste ebenfalls weiter an Kreditwürdigkeit ein. Die langfristige Bonität Italiens wird von S&P mit der Note «BBB+» statt «A» bewertet.

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Auch die Bonität von Spanien, Portugal und Zypern ging gleich um zwei Stufen in den Keller. Malta, die Slowakei und Slowenien büssten eine Stufe ein. Deutschland behielt indes sein Spitzenrating von «AAA», sogar mit stabilem Ausblick.

Drohende Herabstufung

Weltweit halten damit nur noch zwölf weitere Länder die Einstufung «AAA»: Dänemark, die Niederlande, Grossbritannien, Schweden, Norwegen, Finnland, Luxemburg, die Schweiz, Australien, Hong Kong, Kanada und Singapur. Frankreich hatte die Höchstnote von S&P seit 1975.

Schon die Gerüchte über eine bevorstehende Herabstufung hatte am Freitagnachmittag an den europäischen Börsen einen Kursrutsch ausgelöst. Bis zum Börsenschluss beruhigte sich die Lage aber wieder etwas. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial verlor 0,39 Prozent, der S&P-Index beendete den Handelstag mit minus 0,49 Prozent. Auch der Euro gab deutlich nach und fiel zwischenzeitlich um zwei Cent auf bis zu 1.2624 Dollar.

(laf/sda)