Spanien hat den Anlegern bei der letzten Auktion vor den Wahlen am Sonntag fast 7 Prozent Rendite bieten müssen. Damit nähert sich das Land der Marke, ab der sein Schuldendienst zu teuer wird.

Das hoch verschuldete Euroland nahm bei einer Versteigerung von zehnjährigen Staatsanleihen 3,56 Milliarden Euro auf, wie die nationale Schuldenverwaltung in Madrid mitteilte. Damit lag der Erlös deutlich unter dem zuvor anvisierten Maximalziel von 4 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Rendite der Anleihe lag bei 6,975 Prozent und damit deutlich über der Rendite von 5,433 Prozent bei einer vergleichbaren Versteigerung am 20. Oktober.

Beim direkten Handel mit spanischen Staatsanleihen erreichte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Papiere nach der jüngsten Versteigerung einen Rekordwert seit der Euro-Einführung bei 6,7 Prozent. Zum Vergleich: Die Rendite der zehnjährigen deutschen Anleihe lag zuletzt bei 1,78 Prozent. Die Nachfrage nach den zehnjährigen Titeln aus Spanien war zudem nicht mehr so stark wie bei der vorangegangenen Versteigerung im Oktober.

Umfassendes Sparprogramm angekündigt

Nach Griechenland und Italien dürfte am Sonntag auch Spaniens Regierung der Schuldenkrise zum Opfer fallen. Bei den Parlamentswahlen werden die oppositionellen Konservativen allen Umfragen zufolge einen deutlichen Sieg davontragen. Es wird erwartet, dass die Volkspartei PP von Spitzenkandidat Mariano Rajoy einen Vorsprung von 14 bis 18 Prozentpunkten vor den seit acht Jahren regierenden Sozialisten erzielt.

Der voraussichtliche künftige Ministerpräsident Spaniens, Mariano Rajoy, hat ein umfassendes Sparprogramm angekündigt. «Wir werden alle Bereiche des Staatshaushalts überprüfen, und es wird überall Kürzungen geben», sagte der Chef der konservativen Volkspartei (PP) der Zeitung «El País». Nur die Renten sollten von den Einsparungen ausgenommen werden. «Es wird weniger staatliche Bauvorhaben geben, zahlreiche regionale Behörden werden geschlossen werden», so Rajoy.

Seit dem Ende des zehn Jahre währenden Baubooms kommt die Wirtschaft in Spanien nicht richtig in Schwung. Eine Reform der Finanzbranche gehört zu den dringlichsten Aufgaben. Spaniens Notenbank schätzt die Summe der zweifelhaften Immobilienwerte in den Bilanzen der Geldhäuser auf etwa 176 Milliarden Euro.

(tno/vst/sda/awp)

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