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Spanien weiter herabgestuft - Euro sackt ab

Die Regierung nimmt die Herabstufung relativ gelassen. (Bild: Keystone)

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat Spanien herabgestuft. Es gebe erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und den Haushalt, erklärten die US-Bonitätswächter am Donnerstagabend. Der Eurokurs

Veröffentlicht am 27.04.2012

Die langfristige Bonität spanischer Staatsanleihen werde um zwei Stufen von A auf BBB+ gesenkt, teilte Standard & Poor's (S&P) am Donnerstag in New York mit. Die Haushaltslage Spaniens werde sich wegen der wirtschaftlichen Probleme des Landes weiter verschlechtern, hiess es in der Begründung.

Ausserdem nehme die Wahrscheinlichkeit zu, dass Madrid den angeschlagenen Banken des Landes zusätzliche finanzielle Unterstützung gewähren müsse. Die US-Ratingagentur versah die spanischen Anleihen mit einem negativen Ausblick und drohte mit weiteren Herabstufungen.

In einer ersten Reaktion kritisierte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid den Entscheid. S&P habe die angekündigten Reformen nicht ausreichend berücksichtigt, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters am späten Abend: «Sie werden einen grossen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage in Spanien haben.»

Im Morgenhandel sank der Eurokurs auf 1,3181 Dollar. Bereits im asiatischen Handel geriet die Währung unter Druck und sank um 0,5 US-Cent. Zum Franken notierte die Einheitswährung seit dem Donnerstagabend kaum verändert bei 1,2015 nach 1,2019 Franken.

Renditen für Staatsanleihen steigen

Die Renditen spanischer Staatsanleihen stiegen nach der Herabstufung deutlich. Für zehnjährige Anleihen betrug die Rendite am Freitag um 0,14 Prozentpunkte auf 5,931 Prozent.

Im Gefolge geriet auch der italienische Anleihenmarkt unter Druck, das Mittelmeerland muss für zehnjährige Anleihen 5,713 Prozent bezahlen, 0,1 Prozentpunkte mehr als am Vortag. Für die am Nachmittag anstehende Aufstockung fünf- und zehnjähriger Anleihen stieg die Skepsis.

An den Börsen sorgte die Herabstufung für Dämpfer. Die Schweizer Börse verzeichnete leichte Abgaben. In Deutschland verlor der Leitindex Dax im frühen Handel gleich 1,2 Prozent.

Der Tokioter Nikkei-Index schloss 0,4 Prozent im Minus. Auf Monatssicht verlor das Börsenbarometer 5,6 Prozent - so viel wie seit sieben Jahren in einem April nicht mehr. Auch Taiwan verlor. Die Märkte in Hongkong und Shanghai traten auf der Stelle, Singapur tendierte freundlich. Erfolgreich verlief der Handel in Südkorea, wo der Rekordgewinn des Handy-Riesen Samsung Kaufimpulse lieferte.

Erneut in der Rezession - Rekord bei Arbeitslosen

Spanien hat zugesichert, sein Budgetdefizit von 8,5 Prozent Ende 2011 auf 5,3 Prozent in diesem Jahr zu senken. 2013 soll dann die EU-Defizitgrenze von drei Prozent erreicht werden. Allerdings ist das Land gerade erst erneut in die Rezession abgerutscht.

Nach Angaben der Zentralbank schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, als das Minus bereits bei 0,3 Prozent gelegen hatte. Standard & Poor's erklärte am Donnerstag, es rechne für dieses Jahr mit einem Einbruch der spanischen Wirtschaft um 1,5 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit kletterte im April auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. In der viertgrössten Volkswirtschaft der Eurozone schnellte die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat von 22,9 auf 24,44 Prozent hoch. Das ist die höchste Quote der Eurozone.

Umstrittene Ratingagenturen

Der Refinanzierungsbedarf des Finanzsektors hat zuletzt Sorgen geschürt, das Land müsse auf Hilfsgelder seiner internationalen Partner zurückgreifen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die angeschlagenen Banken aber ausreichend Kapital, um die Rezession auszuhalten.

Die Qualität der amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch ist umstritten. Eine europäische Ratingagentur steht kurz vor der Gründung. Wie die deutsche Unternehmensberatung Roland Berger am Donnerstag in München mitteilte, haben viele Investoren dem Projekt inzwischen ihre Beteiligung zugesagt.

(laf/muv/sda/awp)

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