Der drastische Sparkurs des italienischen Regierungschef Mario Monti hat eine erste wichtige Hürde genommen. Bei einer Vertrauensabstimmung über sein Massnahmenpaket von geschätzten 24 Milliarden Euro stellten sich in Rom 495 Abgeordnete hinter Monti und das Anti-Krisen-Programm der Regierung, 88 votierten dagegen.

Monti hatte die Vertrauensfrage gestellt, um die Spar- und Reformmassnahmen rasch durch die Kammer zu bringen und ihnen eine grosse Mehrheit zu sichern.

Ein Sieg Montis galt - trotz der Proteste in den vergangenen Tagen - als sicher. Vor allem Abgeordnete der rechtspopulistischen Lega Nord, die in Opposition zu Monti und den Sparplänen steht, votierten dagegen. Vier Abgeordnete der Partei Volk der Freiheit (PdL) von Montis Vorgänger Silvio Berlusconi enthielten sich, 23 nahmen nicht an dem Votum teil. Berlusconi hatte in dreieinhalb Regierungsjahren dutzendfach mit dem Mittel des Vertrauensvotums Gesetze durchgeboxt.

Unterdessen überschatteten Terrordrohungen den Abstimmungserfolg. So stellte die Polizei am Donnerstagabend insgesamt zehn Briefumschläge mit Drohbriefen und Kugeln in einem Gross-Postamt in Rom sicher. Die Sendungen richteten sich gegen Monti, seine Arbeitsministerin Elsa Fornero und zahlreiche Parteichefs, die ihm Unterstützung zugesichert hatten, darunter auch Berlusconi.

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Monti will Italien mit Schritten zur Haushaltssanierung schnell aus der Schusslinie der Finanzmärkte bringen und zudem eine stärkere Rezession verhindern. Sein Minister für Wirtschaftsentwicklung, Corrado Passera, hatte bereits am Vortag vor einer «schlimmen Lage» gewarnt. Italien befinde sich bereits in einer Rezession, sagte Passera. Experten befürchten, der Euro würde einen Zahlungsausfall der drittgrössten Volkswirtschaft der Eurozone nicht überstehen.

Lega Nord: «Raubzug»

Der 68-jährige parteilose Monti hat als Nachfolger Berlusconis die schwierige Aufgabe übernommen, das hoch verschuldete Italien vor dem finanziellen Zusammenbruch zu retten. Sein Dekret «zur Rettung Italiens» enthält auch eine einschneidende Rentenreform und die Wiedereinführung einer Immobiliensteuer.

Vor allem der ehemalige Berlusconi-Partner Lega Nord wehrte sich in den vergangenen Tagen heftig gegen diese Reformen. Andere Kritiker bemängelten das Fehlen wachstumsfördernder Massnahmen und zu wenig soziale Gleichheit.

Trotz letzter Änderungen und Ausnahmeregeln für sozial Schwächere gab es bis zuletzt noch heftige Proteste gegen das Reformpaket. Vor allem die Lega Nord, ehemals Koalitionspartner Berlusconis - lehnt die Massnahmen als «Raubzug» ab. Ein Teil der linken Unterstützer Montis kritisierte, dass «immer dieselben» bezahlen müssten.

Das Vertrauensvotum in der Kammer machte die finale Abstimmung über das Sparpaket der Regierung am Freitagabend im Abgeordnetenhaus zu einer reinen Formsache. Bis Weihnachten will Monti die Reformen auch durch die zweite und letzte Kammer, den Senat, bringen.

(tno/vst/sda/awp)

 

 

 

 

 

 

Bei einer Vertrauensabstimmung stellten sich am Freitag in Rom 495 Abgeordnete hinter Monti und das Anti-Krisen-Programm der Regierung, 88 votierten dagegen.

Mit der Vertrauensabstimmung wollte Monti die von den Parteien eingereichten Änderungsvorschläge zu seinen Einsparungen umgehen. Über das Vorhaben zur Bewältigung der Schuldenkrise muss nun abschliessend der Senat entscheiden. Die Endabstimmung ist für den 23. Dezember vorgesehen.

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(tno/vst/awp/sda)