Ungarns rechtskonservativer Ministerpräsident Viktor Orban einen engen Vertrauten an die Spitze der Ungarischen Nationalbank (MNB) gesetzt. Der bisherige Wirtschaftsminister György Matolcsy sei «die am wenigsten riskante Lösung».

«Zum Notenbank-Gouverneur muss jemand mit Regierungserfahrung ernannt werden», erklärte Orban in seinem wöchentlichen Rundfunk-Interview.

Die formelle Ernennung Matolcsys durch Staatspräsident Janos Ader wurde später am Freitag erwartet. Der Gefolgsmann des Ministerpräsidenten löst den bisherigen Notenbank-Gouverneur Andras Simor ab, dessen Mandat am Wochenende abläuft.

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Zum Nachfolger Matolcsys an der Spitze des Wirtschaftsministeriums berief Orban den bisherigen ressortfreien Minister Mihaly Varga. Dieser war bislang für die - zuletzt auf Eis gelegten - Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zuständig.

Zweifelhafte Rezepte als Wirtschaftsminister

Matolcsy gilt als umstritten. Er ist der Architekt jener - von ihm selbst sogenannten - «unorthodoxen» Wirtschaftspolitik, die darauf hinausläuft, internationale Konzerne mit hohen Steuern zu belegen, um strukturelle Reformen zu vermeiden.

Simor, der vor sechs Jahren von der links-liberalen Vorgängerregierung ernannt worden war, war auf die Unabhängigkeit der Notenbank bedacht. Seit Orbans Machtantritt 2010 war er deshalb ständigen Angriffen aus dem Regierungslager ausgesetzt.

Orban deutete in dem Rundfunk-Interview an, dass die Nationalbank künftig auf aktive Massnahmen zur Wirtschaftsbelebung setzen könnte. Ungarns Volkswirtschaft ist im letzten Jahr um 1,7 Prozent geschrumpft - laut Experten eben wegen der unberechenbaren Wirtschaftspolitik des Tandems Orban-Matolcsy.

Analysten warnten am Freitag davor, dass überzogene Zinssenkungen oder andere unkonventionelle Belebungsmassnahmen seitens der Nationalbank die Stabilität der Landeswährung Forint gefährden könnten.

(chb/sda)