Die Ratingagentur Standard & Poor's hat nach mehreren Euro-Ländern nun auch die Kreditwürdigkeit des Euro-Rettungsfonds EFSF herabgestuft. Die Bonität des Fonds werde statt mit «AAA» nun mit «AA+» bewertet, teilte S&P am Abend mit.

Das ist ein weiterer Rückschlag für die Euro-Zone im Kampf gegen die Schuldenkrise. Denn die Aufnahme von Krediten, mit dem der Fonds Rettungsprogramme für Wackelkandidaten finanziert, könnte nun teurer werden.

S&P teilte indes mit, der EFSF könne die Top-Bonität zurückbekommen, wenn er seine Anleihen künftig besser absichert. Dazu müssten Barreserven aufgewendet werden. Diesen Schritt müssten die Euro-Finanzminister beschliessen.

«Der EFSF hat die Mittel»

Das Vorgehen durch S&P war erwartet worden, nachdem die bisherigen AAA-Staaten Frankreich und Österreich herabgestuft worden waren. Denn die Ausleihsumme des Fonds, die durch AAA-Garantien abgesichert ist, könnte durch den Verlust französischer und österreichischer Garantien von 440 auf 270 Milliarden Euro schrumpfen.

Allerdings werden beide Länder - und auch der EFSF selbst - von den zwei anderen grossen Ratingagenturen Moody's und Fitch nach wie vor mit «AAA» bewertet. Deswegen dürfen Grossanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds auch weiter EFSF-Anleihen zeichnen.

EFSF-Chef Klaus Regling erklärte in Brüssel, die Fähigkeit des EFSF zur Kreditvergabe werde durch die Entscheidung von Standard & Poor's nicht beeinträchtigt. «Der EFSF hat die Mittel, seinen Verpflichtungen nachzukommen», fügte Regling hinzu. Dies gelte bis zum angestrebten Inkrafttreten des Stabilitätsfonds ESM im Juli.

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ESM auf Juli vorgezogen

Auch Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker erklärte, «die Ausleihsumme wird durch die S&P-Entscheidung nicht reduziert». Der Fonds habe ausreichende Mittel für seine laufenden Programme für Irland und Portugal (gut 40 Milliarden Euro) sowie für ein geplantes zweites Rettungsprogramm für Griechenland (insgesamt 130 Milliarden Euro).

Allerdings würden die Mittel des Schirms knapp, wenn auch die Sorgenkinder Italien und Spanien an den Euro-Tropf gelegt werden müssen.

Zur Vorbereitung darauf wird der permanente Rettungsfonds ESM zwar auf Juli vorgezogen, wie Juncker betonte. Und der ESM ist wegen seines eigenen Kapitalstock von mindestens 80 Milliarden Euro nicht mehr so abhängig von der Bonität seiner Mitgliedsstaaten. Doch bis zum Aufspannen des neuen Schirms dauert es noch ein halbes Jahr - es bleibt also ein Wettlauf mit der Zeit.

Märkte reagierten kaum

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sagte am Abend, Politik und Investoren müssten sich unabhängiger von den Ratingagenturen machen. «Wir müssen uns fragen, wie wichtig diese Bewertungen für den Markt, für Regulatoren und Anleger sind», sagte er vor einem EU-Parlamentsausschuss in Brüssel.

Seine Botschaft scheint indes schon angekommen zu sein. Auf die Herabstufung Frankreichs, Österreichs und sieben weitere Eurostaaten in der Nacht zum Samstag reagierten die Märkte heute kaum. Frankreich gelang es sogar, mehrere Milliarden Euro zu günstigeren Zinsen als vor der Herabstufung aufzunehmen.

(tno/sda)