In den Jahren 2006 bis 2009 war alles noch in Ordnung: Wer sich in Ungarn ein Eigenheim kaufen wollte, dem empfahlen die Banken meist einen Hypothekar-Kredit in Schweizer Franken. Denn der Zinssatz war bedeutend tiefer als in der Landeswährung Forint.

Der Hauskauf ist in Ungarn im Gegensatz zur Schweiz der Normalfall. 90 Prozent der Bevölkerung lebt im eigenen Heim.

Hypotheken explodierten

Mit der Eurokrise änderte sich die Lage blitzartig - mit drastischen Konsequenzen für die Schuldner, wie «Zeit Online» nun schreibt. Denn der Franken gewann seit 2008 über 50 Prozent an Wert, auch wegen der Flucht diverser Anleger in die Schweizer Währung. Die einstmals günstigen ungarischen Hypokredite explodierten.

Die Lage ist für viele Ungarn verzeifelt: Ende Mai waren laut dem Bericht Besitzer von mehr als 100'000 Wohnungen derart im Verzug, dass die Banken die Zwangsvollstreckung beantragten.

Lasches Kreditgesetz

Die Regierung habe zwar versucht, mit diversen steuernden Massnahmen den Betroffenen zu helfen, doch die Probleme gehen gemäss Experten über die Eurokrise hinaus. So bestünden in Ungarn noch immer keine geeigneten gesetzliche Vorgaben für Kreditvergaben.

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Die Banken konnten in den Boomjahren ungehindert am Kredit-Zinssatz schrauben, wie es ihnen beliebte. Auch die Bonität ihrer Kunden hätten die Banken oft kaum geprüft, berichtet «Zeit Online».

Für die betroffenen Schuldner komme noch eine weitere Schwierigkeit dazu: In Ungarn kennt man den Privatkonkurs nicht. Damit haben die Schuldner keine Möglichkeit für einen Neuanfang.

(chb/tno)