Der scheidende EZB-Chef Jean-Claude Trichet hat Kritik aus der Politik an der Leistung der Europäischen Zentralbank und Forderungen nach einer Rückkehr Deutschlands zur D-Mark ungewöhnlich scharf zurückgewiesen.

Die EZB sei geschaffen worden, um Preisstabilität zu gewährleisten, sagte er am Donnerstag. «Wir haben geliefert. Tadellos. Dafür würde ich gern Glückwünsche hören.»

In Deutschland sei die EZB hinsichtlich der Preisstabilität erfolgreicher gewesen als die Bundesregierungen mit der D-Mark in den 50 Jahren vor dem Euro, erklärte Trichet. Das sollte anerkannt werden. «Wir haben ein Mandat. Wir liefern.»

Und dabei sei die Zentralbank völlig unabhängig. Es sei auch kein Zufall, dass die EZB in der noch anhaltenden grössten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg die Inflation im Euroraum weiter im Griff habe. «Wir haben das so geplant. Auch gegen die Wünsche von Regierungen.»

Trichet erinnerte daran, dass es ausgerechnet die drei grossen Volkswirtschaften Italien, Frankreich und Deutschland gewesen seien, die die EZB aufgefordert hätten, die Stabilitätskriterien von Maastricht zu lockern.

Deren Verletzung durch zahlreiche Länder sei der Grund, warum die EZB nun Staatsanleihen aufkaufen müsse. «Wir werden unserer grossen Verantwortung gerecht», sagte Trichet. «Wir erwarten von den Regierungen, dass auch sie ihrer Verantwortung gerecht werden.»

Vor den Äusserungen Trichet hatte die Notenbank ihren Leitzins wie erwartet unverändert bei 1,50 Prozent belassen und ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr deutlich abgesenkt.

(rcv/sda)