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Ukraine: Der umstrittene Gastgeber

In die Jahre gekommen: Der ehemalige Milan- und Chelsea-Star Andriy Shevchenko - heute bei Dynamo Kiev. (Bild: Keystone)

Sind Sie bereit für die Fussball-EM? «Handelszeitung Online» stellt in Zusammenarbeit mit Euler Hermes Schweiz alle Nationen vor - auch abseits von sportlichen Perspektiven. Heute: Ukraine.

Von Volker Strohm
am 09.05.2012

Die Ukraine lieferte im Vorfeld der am 8. Juni beginnenden Fussball-Europameisterschaft mehr Schlagzeilen als ihr lieb ist - zumal diese sich praktisch ausschliesslich auf politischem Terrain bewegen. Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen führen dazu, dass unter anderem die EU-Kommission angekündigt hat, ausschliesslich Spiele im Land des Co-Gastgebers Polen zu besuchen. 

Sport

Sportlich ist die Mannschaft von Trainer und Fussball-Legende Oleg Blochin eine der grossen Unbekannten unter den 16 Teams, da sich der (Co-)Gastgeber nicht für das Endturnier qualifizieren musste. Im Februar gab es einen 3:2-Testspielsieg in Israel - bis zum Turnierbeginn stehen noch Tests gegen Estland (28.5.), Österreich (1.6.) und die Türkei (5.6.) auf dem Programm.

Marktwert

Der teuerste Spieler im Kader von Blochin ist Andriy Yarmolenko: Gemäss «transfermarkt.ch» müsste ein Interessent für den Mittelfeldspieler von Dynamo Kiew derzeit rund 12 Millionen Franken hinblättern.

In unseren Breitengraden wohl am bekanntesten dürfte Bayern-Spieler Anatoliy Tymoshchuk sein, der rund 6,7 Millionen Euro auf die Waagschale bringt. Genauso teuer ist der ehemalige Milan- und Chelsea-Star Andryi Shevchenko, der 2009 zu seinem Stammverein Dynamo Kiev zurückgekehrt ist.

Wirtschaft

Die ukrainische Wirtschaft wuchs um 5,2 Prozent im Jahr 2011, angetrieben von einer starken Inlandsnachfrage. Der private Konsum stieg um beachtliche 15 Prozent und die Bruttoanlageinvestitionen um 10,4 Prozent - Letztere mit erstaunlichen 16,9 Prozent allein im vierten Quartal.

Allerdings reflektiert dies kaum den Beginn eines Investitionsbooms in der Ukraine, sondern vielmehr umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur im Rahmen der Vorbereitungen für die Fussball-Europameisterschaft. Die Regierung kompensierte öffentliche Investitionen durch Ausgabenkürzungen an anderen Fronten, so dass der staatliche Konsum im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent zurückging. Letzteres war zum Teil auch das Ergebnis mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten, unter anderem weil das aktuelle IWF-Programm seit April 2011 auf Eis liegt, da die Regierung sich weigert, die Gaspreise für Endabnehmer zu erhöhen wie es mit dem IWF vereinbart worden war.

Das reale Exportwachstum von nur 2,2 Prozent im Jahr 2011 war schwach und blieb deutlich hinter der Importzunahme von 16,8 Prozent zurück, wobei Letztere zu einem grossen Teil von steigenden Gas-Importpreisen getrieben wurde. Das jährliche Wachstum des realen BIP wird sich in den Jahren 2012 und 2013 auf etwa 4 Prozent verlangsamen, da der Investitionsboom vor der Fussball-EM beendet ist und die Weltwirtschaft sich abschwächt.

 

Die Ukraine-Spiele in Gruppe D

Montag, 11. Juni / 20.45 Uhr: Ukraine-Schweden
Freitag, 15. Juni / 18.00 Uhr: Ukraine-Frankreich
Dienstag, 19. Juni / 20.45 Uhr: England-Ukraine

 

 

«Handelszeitung Online» präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Kreditversicherer Euler Hermes Schweiz die 16 EM-Länder - für einmal nicht nur beschränkt auf den rein sportlichen Fokus. Lesen Sie am Freitag: Alle Details zum Co-Gastgeber Polen.

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