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Um Griechenland steht es schlimmer als gedacht

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos. (Bild: Keystone)

Griechenland rutscht immer tiefer in die Rezession. Die Prognose für die Entwicklung des Bruttoinlandproduktes wurde nochmals nach unten korrigiert. Die Politiker richten sich nun mit eindringlichen A

Veröffentlicht am 11.09.2011

Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou hat sein Land vor einem Nachlassen bei den Sparanstrengungen gewarnt. Bei einem von Protesten begleiteten Auftritt in Thessaloniki versprach Papandreou, Griechenland werde die notwendigen Reformen durchsetzen.

Alles andere als die «strikte Erfüllung unserer Verpflichtungen» sei «gefährlich für das Land und seine Bürger», sagte Papandreou in der nordgriechischen Hafenstadt. Er reagierte in seiner Rede auf die in den vergangenen Tagen in der Eurozone geäusserte Kritik an den schleppenden Sparbemühungen Athens.

Voraussetzung für die Gewährung der milliardenschweren Hilfen für das hochverschuldete Land ist, dass Griechenland die vereinbarten Spar- und Reformziele erreicht. Das sollen Experten von IWF, EU-Kommision und Europäischer Zentralbank (EZB) überprüfen.

Die hatten jedoch in der vergangenen Woche ihre Mission abgebrochen, damit die griechischen Behörden nacharbeiten können. Eine Rückkehr der Experten nach Athen ist für kommende Woche geplant.

Der Auftritt von Papandreou wurde von Protesten begleitet. Rund 25'000 Menschen gingen in der Hafenstadt auf die Strassen. Die Polizei setzte am Abend Tränengas ein, um rund 3000 Taxifahrer von der Kongresshalle fernzuhalten. Die Taxifahrer fürchten im Zuge des Sparprogramms um den Verlust ihrer exklusiven Lizenzen.

Immer tiefer und tiefer

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos machte einen düsteren Ausblick. Die griechische Wirtschaft werde noch mehr schrumpfen, als bisher angenommen und gerate immer tiefer in die Rezession.

«Die Prognose war im Mai minus 3,8 Prozent. Jetzt übertreffen wir die (minus) 5 Prozent», erklärte er in Thessaloniki. Damit würden auch die Prognosen der EU unterboten.

Hintergrund der neuen Vorhersagen seien die Sparpolitik der Regierung, aber auch psychologische Gründe, erläuterte Venizelos. Viele Menschen zögen ihr Geld von den Banken ab und investierten es nicht. Investitionen seien aber dringend notwendig. «Wir brauchen jetzt einen Sprung nach vorne», sagte Venizelos.

Minister appelliert an seine Landsleute

Der Minister rief seine Landsleute auf, die Hilfen der anderen Europäer anzuerkennen und sich anzustrengen, um die Finanzkrise zu überwinden. Griechenland bekomme eine «noch nie da gewesene» Hilfe von insgesamt 219 Milliarden Euro.

Für Griechenland seien die nächsten zwei Monate von entscheidender Bedeutung. Alle angestrebten Reformen müssten in die Tat umgesetzt werden.

Schäuble zweifelt

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble zweifelt, dass Griechenland sein Ziel erreichen wird. Griechenland habe die Voraussetzungen für die Auszahlung der nächsten Hilfstranche bisher nicht erfüllt, sagte Schäuble nach einem Treffen der Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) in Marseille.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Zweifel, warb aber für Geduld. «Was über Jahre versäumt wurde, kann nicht über Nacht behoben werden», sagte sie der Zeitung «Tagesspiegel».

Derzeit ringt die Regierung in Athen mit den anderen Euro-Ländern und dem IWF um die Auszahlung der sechsten Tranche von acht Milliarden Euro aus dem ersten Hilfspaket. Ab Oktober soll der provisorische Euro-Rettungsschirm EFSF das Land mit einem zweiten Rettungspaket von weiteren rund 110 Milliarden Euro über Wasser halten.

(laf/sda)

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