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Abspaltung
Unabhängige Schotten: Zeigt die Schweiz, wie's geht?

Schottland: Könnte das Land in der Unabhängigkeit so stark wachsen wie die Schweiz?   Keystone

Viele Experten warnen Schottland vor der Abspaltung von Grossbritannien. Zu gross sei die Gefahr für die Wirtschaft. Ein Nobelpreisträger ergreift Partei – und verweist auf die Erfolge kleiner Länder.

Von Mathias Ohanian
am 16.09.2014

Erklären die Schotten morgen nach 300-jähriger Zugehörigkeit ihren Austritt aus dem Vereinigten Königreich? Keine andere Frage wird auf der Insel seit Monaten heisser diskutiert. Die Debatte ist gespickt mit wirtschaftlichen Argumenten, häufig wird gedroht. Damit etwa, dass Schottland bei einer Abspaltung von Grossbritannien in eine wirtschaftliche Rezession stürzen werde.

Firmenchefs fürchten ein Ja zur Unabhängigkeit ebenso wie Finanzinvestoren. Die beiden Grossbanken Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds wollen Schottland den Rücken kehren, sollte das Land sich für die Unabhängigkeit entscheiden. Für die Schotten gebe es kein Zurück in das Königreich, warnte vergangene Woche Premierminister David Cameron.

Krugman: «Seid besorgt, seid sehr besorgt»

Selbst Nobelpreisträger haben sich eingeschaltet: «Seid besorgt, seid sehr besorgt», schrieb Paul Krugman in seinem Blog bei der «New York Times». Die Risiken eines Alleingangs seien riesig. Dem Land drohe das Schicksal Spaniens, eine schwere Rezession und Verwerfungen der öffentlichen Haushalte inbegriffen.

Doch greifen die Drohungen überhaupt? Mit Krugmans Argumentation kann zumindest sein Nobelpreiskollege Joseph Stiglitz – die beiden gewannen den Preis im Jahr 2001 – kaum etwas anfangen. Krugman suggeriere, dass es signifikante wirtschaftliche Skaleneffekte für Schottland im Königreich gebe, die mit der Unabhängigkeit verloren gingen, schreibt Stiglitz in einer Analyse für die Zeitung «Scotsman». Doch ein unabhängiges Schottland bleibe Teil der Europäischen Union. Daher würden die Handelsströme nicht einfach versiegen.

Stiglitz: Kleine Länder können stärker wachsen als grosse

Und weiter meint Stiglitz «Auch kleine politische Einheiten wie Schweden, Singapur und Hongkong sind gewachsen, während viele grössere Einheiten nicht prosperiert haben», schreibt er. Weitaus wichtiger als die Grösse eines Landes sei die richtige Politik, so Stiglitz. Der Star-Ökonom erwähnt die Schweiz in seinem Kommentar zwar nicht explizit als Beispiel. Fakt ist aber: Wie die von Stiglitz genannten Länder wächst auch die Wirtschaft der vergleichsweise kleinen Schweiz seit Jahren deutlich kräftiger als die vieler grossen Nachbarn um sie herum.

Damit nicht genug: Stiglitz argumentiert, dass viele kleine Länder eine eigene Währung besitzen und erfolgreich neben grossen Wirtschaftsräumen existieren können – sei es über flexible oder fixe Wechselkurse. Auch das gilt für die Schweiz. 

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