Die Wirtschaft im Euroraum wird nach Einschätzung der EU-Kommission im laufenden Jahr stärker wachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) werde 2017 in den 19 Staaten des gemeinsamen Währungsgebiets um 1,6 Prozent zulegen, teilte die Brüsseler Behörde am Montag mit.

Im Herbst war sie noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent ausgegangen. Grösster Wachstumstreiber sei dabei die Binnennachfrage, hiess es weiter. Das Niveau der Investitionen sei hingegen weiterhin niedrig. Die Prognosen seien mit erheblichen Unsicherheiten behaftet aufgrund der neuen US-Regierung, des Brexits sowie bevorstehender Wahlen in Europa.

Erholung für Frankreich?

Die Aussichten in den mit Haushaltsproblemen kämpfenden Euro-Ländern Frankreich und Italien bessern sich laut EU-Kommission etwas. In Frankreich, wo Anfang Mai Präsidentschaftswahlen anstehen, dürfte das BIP 2017 um 1,4 Prozent zulegen, wie die Brüsseler Behörde mitteilte.

Im kommenden Jahr werde die Konjunktur dann um 1,7 Prozent anziehen. Die Arbeitslosenrate dürfte erstmals seit Jahren unter die Zehn-Prozent-Marke fallen und 2018 bei 9,6 Prozent liegen. Allerdings dürfte das Haushaltsdefizit nach einem leichten Rückgang 2017 im kommenden Jahr mit 3,1 Prozent wieder über der in der EU erlaubten Grenze von drei Prozent liegen.

Rom muss weiter sparen

Ein ähnliches Bild ergibt sich in Italien, wo das Haushaltsdefizit laut EU-Kommission 2018 auf 2,6 Prozent des BIP steigen soll. Das strukturelle Defizit - also die Entwicklung ohne Konjunkturschwankungen - fällt dieses Jahr zwar auf zwei Prozent, dürfte 2018 aber bei 2,5 Prozent liegen.

Der Schuldenstand bleibt in diesem Jahr fast unverändert hoch bei 133,3 Prozent im Verhältnis zum BIP. Die EU-Kommission lobte die bis April geplanten, zusätzlichen Sparanstrengungen der Regierung in Rom, die gemessen am BIP 0,2 Prozent ausmachen sollen.

Das reale Wirtschaftswachstum soll 2017 bei 0,9 Prozent liegen und 2018 auf 1,1 Prozent steigen. In Italien könnten Neuwahlen angesetzt werden und den Einfluss von Euro-skeptischen Parteien vergrössern. Das Land ringt zudem mit einer Bankenkrise.

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Unsicherheit in Griechenland

Die wirtschaftliche Erholung im schuldengeplagten Griechenland ist nach Angaben der EU-Kommission von der Umsetzung des Hilfsprogramms der Euro-Geldgeber abhängig. Die Erholung geschehe auf der Basis der Verbesserung der finanziellen Bedingungen und einer schrittweisen Lockerung der 2015 eingeführten Kapitalkontrollen.

«Verbunden mit dem zeitnahen Abschluss der zweiten Programmüberprüfung des ESM-Programms dürfte sich die wirtschaftliche Erholung Griechenlands 2017 mit einem Wachstum von 2,7 Prozent beschleunigen», heisst es in der Konjunkturprognose.

Das reale Wirtschaftswachstum dürfte 2018 auf 3,1 Prozent steigen, während die Arbeitslosenrate in dem Jahr auf 20,3 Prozent sinkt. Griechenland dürfte zudem 2017 das mit internationalen Geldgebern vereinbarte Ziel eines Primärüberschusses - dem Staatshaushalt ohne Zinszahlungen - von 1,75 Prozent erreichen und 2018 mit 3,7 Prozent sogar über den Vorgaben von 3,5 Prozent liegen.

(sda/gku)