Sie haben einiges zu klären: Am Tag vor dem Euro-Schuldengipfel in Brüssel kommen die deutshce Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Berlin zusammen, um ihre Differenzen zu überwinden.

Der Gipfel soll das zweite Hilfspaket für Griechenland endlich auf den Weg bringen. Ausserdem werden eindeutige Signale zur Lösung der eskalierenden Euro-Schuldenkrise erwartet. Streitpunkte sind vor allem die Finanzierung der Rettungsmassnahmen sowie die Beteiligung von Banken und Versicherungen.

Sarkozy reist am Nachmittag nach Berlin. Dort will er mit Merkel zu Abend essen und am folgenden Tag nach Brüssel weiterreisen.

Die Kanzlerin hatte zuvor betont, dass das Euro-Schulden-Problem kaum durch einen «spektakulären Schritt» zu lösen sei. Vom Euro-Gipfel der Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag in Brüssel sei kein «abschliessender grosser Schritt» zu erwarten.

Zeitung: Sarkozy zieht über Deutschland her

Unmittelbar vor dem Treffen berichtete das französische Enthüllungsblatt «Le Canard Enchaîné» über deutschlandkritische Äusserungen Sarkozys. Demnach sagte Sarkozy zur deutschen Haltung in der Schuldenkrise: «Die Griechen tun, was sie können, und sie haben schon eine Menge erreicht. Die einzigen, die es an Solidarität fehlen lassen, sind die Deutschen.»

Laut dem Bericht äusserte sich Sarkozy kurz vor einer Kabinettssitzung in der vergangenen Woche im kleinen Kreis. «Der deutsche Egoismus ist kriminell, er verlängert die Krise», habe er hinzugefügt. Paris und Berlin waren zuletzt uneins über das Ausmass der Beteiligung der Banken am Hilfspaket für Griechenland.

In den Streit um eine Bankenbeteiligung kam kurz vor dem Gipfel Bewegung, wie EU-Diplomaten am Dienstag berichteten. Die Euroländer seien um eine Entschärfung des Konflikts bemüht. Es gebe wachsende Unterstützung für eine Finanzsteuer, die allen Banken auferlegt werden könnte. Damit solle auch vermieden werden, dass Ratingagenturen einen kompletten oder teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands ausrufen.

Allerdings gilt solch ein Modell nicht als kurzfristig umsetzbar, da es erst in den Mitgliedstaaten rechtlich verankert werden müsste.

Belgier wollen mehr

Die öffentlichen Banken in Deutschland wandten sich entschieden gegen eine neue Sonderabgabe für Griechenland. Ein Irrweg seien die Überlegungen, eine zusätzliche Abgabe zur Lösung der Schuldenkrise einzuführen, sagte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis: «Die Banken der Euro-Zone werden weiter geschwächt und können nicht länger als Auffanglinie gegen eine mögliche Ausweitung der Krise wirken», sagte Hassis über das Modell.

Optimismus vor dem Euro-Sondergipfel verbreitete indes Belgien: «Eine Vereinbarung zu einem Hilfsprogramm für Griechenland und die Summe (...) dürfte nicht schwierig zu erreichen sein», sagte der belgische Vizepremier und Finanzminister Didier Reynders der Brüsseler Tageszeitung «Le Soir».

Der Belgier forderte die Staats- und Regierungschefs der Eurozone auf, bei dem kurzfristig angesetzten Gipfel über Griechenland hinauszugehen. «Die europäische Integration muss gestärkt werden.» Er nannte dazu als Optionen: Verstärkung des vorbeugenden Teils des Euro-Stabilitätspaktes, Schaffung eines Europäischen Währungsfonds und Einsetzung eines europäischen Finanzministers.

Papandreou trifft Barroso

Vor dem Schuldengipfels treffen sich ebenfalls der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Dies teilte das Büro des griechischen Regierungschefs mit. Demnach soll das Treffen am Mittwochnachmittag in Brüssel beginnen.

Zuvor habe Papandreou mit seinem Ministerrat alle möglichen Szenarien für den anstehenden Gipfel der Euro-Länder erörtert. Zudem informierte Papandreou auch die Parteivorsitzenden im griechischen Parlament.

Alle Seiten müssten nun Verantwortung zeigen, ansonsten seien die negativen Folgen über Europa hinaus spürbar, sagte Barroso in Brüssel. «Mit gutem Willen von allen Seiten können wir eine Lösung haben», sagte Barroso. Dabei schloss er auch die Europäische Zentralbank (EZB) ein, die sich gegen eine Einbeziehung von Banken und Versicherungen bei einem neuen Hilfspaket wehrt.

Märkte hoffen auf eine Einigung

Der Kurs des Euro hielt sich am Vortag des Gipfels stabil über der Marke von 1,41 US-Dollar gehalten. Im frühen Handel stand die Gemeinschaftswährung bei 1,4141 Dollar. Ein Dollar kostete damit 0,7070 Euro. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,4160 (Montag: 1,4045) Dollar festgesetzt.

Die Schuldenkrise in der Eurozone bleibt Thema Nummer eins an den Finanzmärkten und der Taktgeber insbesondere für den Finanzsektor. Hoffnungen auf Einigung zwischen Merkel und Sarkozy dämpften die Nervosität heute.

Zudem gebe es die Zuversicht, dass in den USA eine baldige Einigung über die Schuldenobergrenze erreicht werde, hiess es von Händlern an der Frankfurter Börse, die wie die europäischen Börsen insgesamt am Mittwoch auf moderaten Erholungskurs ging.

(tno/laf/awp/sda)

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