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Konjunktur

Vorarlberg: Freude am starken Franken – aber keine ungeteilte

Vorarlberg profitiert derzeit kräftig vom starken Franken. (Bild: Keystone)

Der starke Franken kennt auch Gewinner – allerdings nicht im Inland. Die österreichische Region Vorarlberg verzeichnet mehr Touristen aus der Schweiz und mehr Tagessgäste. Und: Die Schweizer geben meh

Veröffentlicht am 02.08.2011

Für den Vorarlberger Tourismus, die Gastronomie und vor allem für den Detailhandel sei der starke Franken «eine sehr erfreuliche Geschichte», sagt Julius Moosbrugger, verantwortlich für den Bereich Lebensmittelhandel in der Vorarlberger Wirtschaftskammer (WKV).

Die Konsumenten geben dank des günstigen Wechselkurses mehr aus. «Wenn sie sonst den Faktor 100 ausgeben, ist es derzeit eher der Faktor 110, 120», so Moosbrugger.

Im grössten Vorarlberger Einkaufszentrum, dem Messepark Dornbirn, bestätigt sich das Bild: Laut Marketingchefin Petra Walter verzeichnet man derzeit auch merklich mehr Schweizer Kunden. «Bisher lag ihr Anteil bei etwa 15 Prozent, derzeit sind es eher 20 Prozent», sagt Walter.

Vor allem Lebensmittel

Alle Branchen profitierten, besonders aber der Lebensmittelhandel, wo die Schweizer vor den Wochenenden Grosseinkäufe tätigen. Die Konjunkturforschungsstelle BAK Basel Economics errechnete kürzlich, dass die Schweizer Haushalte 2011 rund 310 Millionen Franken mehr für Lebensmittel im grenznahen Ausland ausgeben als im Vorjahr.

Die Hotellerie profitiert ebenfalls. Von Mai bis Juni 2011 buchten rund 30'500 Gäste aus der Schweiz und Liechtenstein fast 82'000 Übernachtungen. Das ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 6,2 Prozent respektive 3,8 Prozent. Besonders gut nützen konnte die Situation die Region Bodensee-Vorarlberg mit einem Zuwachs von Übernachtungen aus der Schweiz von 25,1 Prozent. Auch der Bregenzerwald (plus 5,6 Prozent) und das Kleinwalsertal (plus 15,2 Prozent) legten bei aus der Schweiz gebuchten Übernachtungen zu.

Laut Wolfgang Juri, Tourismus-Fachgruppengeschäftsführer der WKV, sind diese Zuwächse durchwegs auf den Frankenkurs zurückzuführen. Die Vorarlberger Betriebe seien in der Schweiz für ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt. Derzeit seien die Schweizer mehr als sonst bereit, Geld auszugeben, auch in der Gastronomie. «Man gönnt sich was und nimmt jetzt doch mal das Steak», so Juri.

Im Rheintal gebe es Betriebe, die zu 70 bis 80 Prozent von Schweizer Gästen lebten. Auch Wellnessbetriebe im Bregenzerwald freuten sich über grossen Zuspruch. «Da kommen ganze Damengruppen aus der Schweiz», sagte Juri.

Kehrseite der Medaille

Die Vorarlberger Industriebetriebe stehen dem Frankenhoch allerdings mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einige Unternehmen könnten zwar im Exportbereich profitieren, das Phänomen verschärfe aber den Facharbeitermangel weiter, so Sebastian Manhart von der Sparte Industrie in der WKV. Es würden alle Anstrengungen unternommen, um genug Personal rekrutieren zu können, aber «in der Schweiz verdient ein Facharbeiter aus dem Euroraum heute geschätzte 20 Prozent mehr als noch vor einem Jahr».

Dabei müsse man als Arbeitnehmer allerdings auch als «Pferdefuss» die ungünstigen Folgen des Frankenhochs für die Schweizer Konjunktur bedenken. Über 14'000 Vorarlberger verdienen ihr Geld als Grenzgänger in der Schweiz und Liechtenstein.

Sorgen bereitet die Franken-Entwicklung auch den Vorarlberger Hausbesitzer, die sich ihr Heim mit einem Frankenkredit finanziert haben. Auch Gemeinden, die für ihre Vorhaben in der Vergangenheit Kredite in Franken aufgenommen haben, beobachten die Entwicklung sehr genau.

(cms/sda)

 

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