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Wie teuer wird die Griechenrettung für die Banken?

Jean-Claude Juncker: «Infizierungsgefahr für das gesamte Bankensystem» (Bild: Keystone)

Europas Banken würden zur Rettung Griechenlands auf 21 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Ein deutsch-französischer Plan hält das aber wohl für nicht ausreichend. Und Euro-Gruppe-Chef Juncker droht

Veröffentlicht am 14.10.2011

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin hat einen deutsch-französischen Vorschlag für eine stärke Beteiligung der Banken an der Griechenland-Rettung angekündigt. Über die genaue Höhe werde noch diskutiert, sagte er dem Radiosender Europe 1.

In rund zehn Tagen, also wahrscheinlich zum EU-Gipfel am 23. Oktober, solle aber ein Konzept vorliegen. In Paris wollten am diesem Freitag und Samstag die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) das weitere Vorgehen in der Schuldenkrise beraten.

Die privaten Geldgeber haben bislang zugesagt, einen Forderungsverzicht von 21 Prozent bei ihrem Griechenland-Engagement zu akzeptieren und längere Kreditlaufzeiten mit Athen zu vereinbaren. «Die Marktsituation hat sich in den vergangenen drei Monaten verschlechtert», kommentierte Baroin. Es sei nahezu sicher, dass eine höhere Beteiligung nötig sei.

Juncker: Unfreiwillige Gläubigerbeteiligung möglich

Der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, will die Banken bei der Lösung der Schuldenkrise in die Pflicht nehmen und droht ihnen mit einem aufgezwungenen Verzicht verliehenen Geldes. Private Banken müssten wissen, dass es zu einer «nicht freiwilligen Gläubigerbeteiligung» kommen könne, wenn die Akzeptanz der Institute der freiwilligen Beteiligung aus Sicht der Euro-Länder nicht ausreichend sei, sagte er dem Deutschlandfunk. Er werde sich in der kommenden Woche mit dem EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy und den Bankenvertretern zusammensetzen.

Juncker betonte die Notwendigkeit von höheren Eigenkapitalquoten - notfalls mit Staatshilfe. «Wo Rekapitalisierungsbedarf besteht, müssen wir dafür sorgen, dass rekapitalisiert wird», sagte der Ministerpräsident Luxemburgs. Damit solle verhindert werden, dass von einer «zu engen Vermengung zwischen Schuldenkrise und Bankenproblematik eine Infizierungsgefahr für das gesamte Bankensystem ausgeht».

Juncker sagte, die aktuelle Lage sei keine Euro- sondern eine allgemeine Schuldenkrise. Beide Brandherde - Staatsverschuldung und Bankenproblematik - müssten bekämpft werden.

Barrosos Vorschlag «akzeptabel»

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Baroin äusserte sich derweil nicht zu den Diskussionen um den europäischen Rettungsfonds EFSF. Sein Ministerium hatte am Vortag zu verstehen gegeben, dass dieser quasi in eine Bank umgewandelt werden könnte, um mehr Mittel aufnehmen zu können. Dies würde die Schlagkraft zu erhöhen.

Das Ministerium räumte allerdings bereits ein, dass ein schneller Konsens in dieser Frage unwahrscheinlich sei. Unter anderem Deutschland und die Europäischen Zentralbank (EZB) sollen eine solche Lösung ablehnen.

Die Vorschläge von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zur Bankenrekapitalisierung bezeichnete Baroin als «akzeptabel». Eine höhere harte Kernkapitalquote von 9 Prozent ermögliche es, Schocks abzufedern, sagte der Minister.

(tno/vst/awp)

 

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