Die Finanzkrise hat zu einer enormen Ausbreitung der Organisierten Kriminalität in Europa geführt - mit mittlerweile 3600 Verbrechersyndikaten auf dem ganzen Kontinent. Das berichtet die «Financial Times» unter Berufung auf Europol-Chef  Rob Wainwright.

Europas Schwarzmarkt für gefälschte Lebensmittel-, Arzneimittel und Maschinenteile hat sich demnach auf einen Wert von über 2 Milliarden Euro verdoppelt. Dabei profitierten die kriminellen Gruppen unter anderem von einer erhöhten Nachfrage nach billigen Waren, wie Wainwright der Zeitung sagt. Ausserdem erhöhe eine sinkende Kaufkraft die Toleranz gegenüber Schwarzmarkt-Produkten.

Während der Handel mit Luxusgütern wie etwa Gucci-Handtaschen schon vor der Finanzkrise florierte, verzeichne Europol in Zeiten Rezession auch einen Boom bei den illiegalen Verkäufen von einer breiten Auswahl an Produkten, inklusive gefälschten Flugzeug-Motorenteilen.

Im Jahr 2011 waren laut Europol-Statistik 28,6 Prozent der gefälschten Waren minderwertige Produkte, die Gesundheit und Sicherheit gefährden können, wie etwa Medikamente und Nahrungsmittel. Zuvor hatte der Wert bei lediglich 14,5 Prozent gelegen.

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Kriminalität bremst wirtschaftliche Erholung

Ausserdem würden Cyber-Kriminelle in Russland, der Ukraine und anderen Teilen Osteuropas zunehmend anspruchsvollere Online-Attacken auf Finanzdienstleister verüben, so der Europol-Chef. Auch seien Unternehmen zunehmend bereit, ihre Kosten etwa durch Schwarzarbeit zu drücken.

Weiterhin sei Mehrwertsteuerbetrug nun dadurch lohnenswerter, dass etliche Länder im Kampf gegen die Krise die Steuer erhöht haben. So schätzte die Behörde die Höhe des Mehrwertsteuerbetrugs in ganz Europa pro Jahr auf 100 Milliarden Euro.

Von der «Financial Times» gefragt, ob all diese Kriminalität die wirtschaftliche Erholung in Europa behindere, sagt Europol-Chef Wainwright: «Ja, ich denke, die kurze Antwort darauf ist ja.»

(tno/aho)