Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich im August stark verschlechtert. Der Economic Sentiment Index (ESI) sank von 103 Punkten im Vormonat auf 98,3 Punkte, wie die Europäische Kommission in Brüssel mitteilte. Das ist das grösste Minus seit über zweieinhalb Jahren. Analysten hatten lediglich einen Rückgang auf 100,5 Punkte erwartet.

Zugleich gab das ebenfalls stark beachtete BCI-Geschäftsklima den sechsten Monat in Folge nach. Die Daten deuten auf eine schwache zweite Jahreshälfte hin. Ökonomen werteten sie als Indiz für eine spürbare Konjunkturabkühlung im Euroraum. 

Der Rückgang der Wirtschaftsstimmung war breit angelegt und erfasste alle betrachteten Sektoren. «Die Verunsicherung hat merklich zugenommen», schreiben die Experten von der Commerzbank in einem Kommentar. Die Daten bestätigen den konjunkturellen Abschwung im Euroraum. «Wir gehen aber weiterhin davon aus, dass die Euro-Wirtschaft nicht in eine erneute Rezession abgleitet.»

Postbank: Stimmungseinbruch überzeichnet

Auch die Postbank rechnet mit einer spürbaren Abkühlung der Konjunktur im zweiten Halbjahr 2011. Allerdings dürfte der Stimmungseinbruch durch die Marktturbulenzen der letzten Wochen überzeichnet sein. Er sollte sich daher nicht «eins zu eins in der realen Wirtschaft niederschlagen», so die Experten.

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In den ESI gehen das Industrievertrauen mit 40 Prozent und das Dienstleistungsvertrauen mit 30 Prozent ein. Das Verbrauchervertrauen steuert 20 Prozent bei. Das Bauwirtschafts- und das Einzelhandelsvertrauen werden zu jeweils fünf Prozent gewichtet.

Das Bruttoinlandprodukt in den Euroländern war bereits von April bis Juni nur noch um 0,2 Prozent gewachsen, nachdem es zu Jahresbeginn noch 0,8 Prozent gewesen waren. Der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zufolge wächst die Gefahr einer Rezession in Europa.

(tno/laf/sda/awp)