Düstere Prognosen für Griechenland: Viel Raum wird einer neuen Regierung laut einem Papier der Citi-Group nicht bleiben. «Die Wahrscheinlichkeit für ein griechisches Euro-Aus liegt unserer Meinung nach weiterhin bei 50 bis 75 Prozent», heisst es. Zwar rücke das «Grexit» ein wenig weiter in die Ferne, doch an den Aussichten ändere sich mittelfristig nichts.

Die linksradikale Partei Syriza hat laut Ansicht der Ökonomen politisch noch so viel zu sagen, dass sie die Erfüllung des Sparprogramms deutlich erschweren könnte. Nach den Vorgaben der Troika muss Griechenland bis Ende Juni einen Beschluss über Einsparungen von 7 Prozent des Bruttoinlandproduktes beschliessen. Umgesetzt werden sollen sie 2013 und 2014.

Drastische Folgen eines «Grexit»

Etwas optimistischer als die Citigroup ist die Credit Suisse. Für die Grossbank machen die hohen Kosten, die ein griechisches Exit sowohl in dem Land als auch in Europa verursachen würden, das Euro-Aus unwahrscheinlich. In Griechenland würde das BIP um 10 Prozent einbrechen, es gäbe eine Mega-Inflation von 40 Prozent, mutmasst die CS in einer Einschätzung vom Morgen.

In der Euro-Zone würde die Wirtschaftleistung demnach um mindestens 2 Prozent einbrechen. «Daher bleiben wir dabei, dass die Chancen eines Grexit gering sind», so die Bank. Das Institut sieht sie bei 20 Prozent - aber: Man rechnet auch zu 10 Prozent damit, dass die Euro-Zone ganz auseinanderfallen könnte. Auch bei der UBS war man zunächst von einer 20-prozentigen Wahrscheinlichkeit ausgegangen, nun sei diese etwas gesunken. Doch «deutliche Unsicherheiten» würden verbleiben.

Grosser Zulauf für Syriza

So rechnet die deutliche Mehrheit der Ökonomen damit, dass die griechische Wirtschaft auch dieses Jahr weiter einbricht. Seit mittlerweile fünf Jahren befindet sich das Land schon in der Rezession. Mit einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent liegt das Krisenland an der wenig begehrenswerten Top-Position.

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Ein Jahre langes drakonisches Sparprogramm wäre nötig, um den Weg aus dieser Krise zu schaffen - mit gleichzeitigen Investitionen an der richtigen Stelle. Doch dass die Regierung dabei die nötige Unterstützung der Bürger hat, ist alles andere als sicher - wie auch das Wahlergebnis zeigt. Immerhin erhielt die Euro-Gegner-Partei Syriza bei der Wahl rund 27 Prozent der Stimmen - gerade einmal 3 Prozent weniger als die konservative Nea Demokratia.