Die zyprische Zentralbank ist einem Zeitungsbericht zufolge mit fünf Milliarden Euro Bargeld ausgestattet worden.

Das Geld sei am Abend in einem schwerbewachten Konvoi vom Flughafen Larnaka aus zur Zentralbank in Nikosia gefahren worden, berichtete die Tageszeitung «Kathimerini», die auf ihrer Internetseite auch Aufnahmen des Konvois zeigte.

Das von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitgestellte Bargeld werde nun an die Bankfilialen auf Zypern verteilt. Die Lieferung sei von Hubschraubereinheiten in der Luft gesichert worden.

300 Euro: Nicht mehr und nicht weniger

Derweil haben das zyprische Finanzministerium und die Zentralbank die Details der Einschränkungen bekanntgeben, die nach der Öffnung der Banken am Donnerstagmittag gelten werden. Zwischen 12 und 18 Uhr Ortszeit könnten die Kunden Geld abgeben. 

Der Höchstbetrag, den man täglich pro Person und Konto bekommen kann, wird 300 Euro sein. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen über das Online-Bankingsystem werden wieder erlaubt. Damit sollen alle Angestellten ihre Gehälter erhalten.

Zudem sollen umfangreiche Einschränkungen des Zahlungsverkehrs den Abfluss von Kapital nach einer Öffnung der Banken verhindern. Der Beschluss der Zentralbank sieht Grenzen für Auslandsüberweisungen sowie Auflagen für Immobilienverkäufe und für die Abwicklung von Exportgeschäften vor. Im einzelnen sollen Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland pro Person und Bank auf 5000 Euro beschränkt werden.

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Für Beträge bis zu 200'000 Euro ist eine Genehmigung der Zentralbank notwendig. Zyprer sollen ausserdem pro Auslandsreise je nach Quellenlage zwischen 1000 und 3000 Euro Bargeld mit sich führen dürfen. Festgeldanlagen dürfen nicht vorzeitig gekündigt werden.

Polizei-Chef ruft zur Besonnenheit auf

Die Sicherheitskräfte seien vor der Öffnung der Banken indes in Bereitschaft, auch um kriminelle Überfälle zu verhindern, sagte der zyprische Polizeisprecher Andreas Angelides. «Wir haben alle nötigen Massnahmen getroffen, damit die Leute geschützt werden. Wir fordern alle Leute auf, auch selbst aufmerksamer zu sein, wenn sie die Bank verlassen», sagte Angelides.

Ein Sprecher des Genossenschaftsbanken rief die Menschen am Abend zur Ruhe auf: «Ich sage den Leuten: Keine Panik, keine Panik. Jeder wird das bekommen, was ihm zusteht.»

Hintergrund der Aufregung: Zyperns Banken sind seit dem 16. März geschlossen. Seitdem können sich die Menschen im griechischen Teil der Insel nur noch aus Geldautomaten mit Bargeld versorgen.

Für die Wiederöffnung der wegen der schweren Finanzkrise geschlossenen Geldinstitute waren bereits verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angekündigt worden.

Beschränkungen für Auszahlungen und internationale Überweisungen sollen zudem verhindern, dass Kapital in grossem Umfang aus Zypern abgezogen wird.

Zypern prüfte Euro-Austritt

Um das kriselnde Land wieder auf Kurs zu bringen, sagte die Eurozone nun finanzielle Hilfe zu. Allerdings unter der Voraussetzung, dass Bankeinlagen oberhalb von 100'000 Euro an der Banken-Sanierung beteiligt werden sollen.

Der zyprische Aussenminister Ioannis Kasoulidis kritisierte denn auch die Euro-Zone für den umstrittenen Deal. «Um es ganz offen zu sagen: Wir haben dieses Vorgehen nicht als europäische Solidarität empfunden», sagte Kasoulidis der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Er verwies auf den zyprischen Eigenbeitrag in Milliardenhöhe zur Abwendung eines Staatsbankrotts.

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Zypern habe während der Verhandlungen in der vergangenen Woche sogar kurz vor der Entscheidung gestanden, aus der Eurozone auszuscheiden. «Das war eine Möglichkeit, die wir zeitweilig ernsthaft in Betracht ziehen mussten», sagte Kasoulidis der Zeitung.

(muv/chb/sda/awp)