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Geldpolitik
Ex-Fed-Chef Greenspan rechnet mit Finanzstress

Greenspan: Er leitete die Fed von 1987 bis 2006.   Bloomberg

Fast zwei Dekaden stand Alan Greenspan an der Spitze der US-Notenbank Fed. Er glaubt nicht daran, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik ohne Probleme vonstatten gehen wird.

Veröffentlicht am 30.10.2014

Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan hält ein reibungsloses Ende der ultra-lockeren Geldpolitik für unwahrscheinlich. «Ich glaube nicht, dass dies möglich ist», sagte Greenspan am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Denkfabrik Council of Foreign Relations in New York.

«Wir haben noch nie Erfahrungen mit einer vergleichbaren Situation gemacht, also werde ich nicht exakt vorhersagen können, wie es ausgeht», sagte Greenspan weiterhin. Greenspan, der die Notenbank von 1987 bis 2006 leitete, äusserte sich kritisch zum Anleihenaufkaufprogramm der US-Notenbank, das gestern eingestellt wurde. Es habe zwar den Finanzmärkten geholfen und die Kreditzinsen gesenkt, aber der Realwirtschaft - Unternehmen und Verbrauchern - nicht viel gebracht.

Andere Ökonomen, andere Meinungen

Befürworter halten dagegen, dass «die Politik die Refinanzierungskosten für den Staat, für Unternehmen als auch für Haushalte tief gehalten hat», wie Nannette Hechler-Fayd’herbe, Head Investment Strategy bei der Credit Suisse, sagt.

Das habe Konsum und Investitionen angekurbelt und dadurch die Konjunktur als Ganzes gestärkt. Darüber hinaus habe die expansive Geldpolitik den Dollar geschwächt und die Zahl der Arbeitslosen gedrückt, indem es ein Umfeld schuf, in welchem mehr Arbeitsplätze kreiert wurden.

Aktienmärkte wurden befeuert

Thomas Berner, UBS-Ökonom für Amerika, stützt diese Aussagen und fügt an: Das Gebaren der US-Notenbank habe auch die Aktienmärkte beflügelt. Das dritte Aufkaufprogramm wurde im September 2012 bekanntgegeben. In den letzten 25 Monaten hat der Dow-Jones-Index 70 Höchststände erreicht. «Investoren sind auf die Aktienmärkte ausgewichen, weil die Nationalbank viele Staatsanleihen aufgekauft hat», sagt der UBS-Ökonom.

Dass die US-Notenbank nun die unkonventionelle Geldpolitik einstellt, bedeutet zunächst eines, wie beide Ökonomen bestätigen: Die Bilanz der Zentralbank wird sich nicht weiter ausweiten.Das bedeutet, dass der Dollar stärker wird, was wiederum Effekte auf den Ölpreis, die Inflation und die Weltwirtschaft hat.

 (sda/ise/me)

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