Der ehemalige Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kritisiert die lockere Geldpolitik der EZB. «Ich glaube, die EZB-Politik ist zu weit gegangen», sagte Jean-Pierre Roth in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit dem Radiosender SRF. Europa könne seine wirtschaftlichen Probleme nicht mit Hilfe einer Flut billigen Geldes lösen. «Der Reform-Appetit ist nicht mehr da, man braucht nicht noch eine expansivere Geldpolitik in Europa. Man braucht Reformen», sagte Roth. Er war bis 2009 Präsident der SNB.

Die Hüter des Franken waren im Zuge der Euro-Krise und durch die lockere Geldpolitik der EZB unter Druck geraten, weil immer mehr Anleger ihre Gelder in der als sicher geltenden Schweiz parkten. Das sorgte jedoch für einen Höhenflug des Franken, den die SNB über rund drei Jahre hinweg mit einem Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken Einhalt gebot.

Draghi ist zu weiteren Geldspritzen bereit

Doch dann beschloss die EZB mit einem milliardenschweren Anleihekaufprogramm ihre Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Die SNB sah sich nicht mehr in der Lage, mit der expansiven Politik Schritt zu halten und hob den Euro-Mindestkurs zu Jahresbeginn auf - was den Franken sprunghaft ansteigen liess.

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Zuletzt hatte EZB-Chef Mario Draghi signalisiert, falls erforderlich auf der nächsten Ratssitzung im Dezember die Geldschleusen noch weiter zu öffnen, um damit die Inflation im Euroraum anzukurbeln. Dieser Schritt könnte die SNB Experten zufolge erneut unter Druck bringen.

(reuters/mbü/ama)