Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Die meisten Ökonomen hatten weder eine weitere Senkung des Leitzinses noch zusätzliche Stützungsmassnahmen erwartet.

Denn seit der letzten Zinssenkung im Mai hat sich die Lage an der Konjunkturfront etwas entspannt: Das Geschäftsklima verbesserte sich gerade auch bei Unternehmen in Krisenländern, und die Konsumentenstimmung im Euro-Raum kletterte im Juni auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren.

Keine Änderung in naher Zukunft erwartet

Ökonomen rechnen damit, dass der Leitzins auf Monate auf seinem heutigen Niveau verharren wird. Zumal EZB-Präsident Mario Draghi erwartet, dass sich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2013 allmählich erholen wird. Ökonom Johannes Mayr von der BayernLB sieht nach den jüngsten Konjunkturdaten sogar Chancen, dass sich die Wirtschaft bereits im Sommer stabilisiert.

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Niedrige Zinsen sollen Investitionen anschieben und damit die Konjunktur in Schwung bringen. Doch das funktioniert in den Krisenländern derzeit nicht, weil die Finanzbranche das billige Geld nicht in Form von Krediten an Unternehmen und Konsumenten weiterreicht. Daher glauben viele Ökonomen, dass noch billigeres Geld im Kampf gegen die Rezession wenig helfen würde.

Da der Preisdruck gering ist, steht vorerst aber auch keine Zinserhöhung an. Ohnehin will die EZB anders als die US-Notenbank Fed vorerst keine Pläne zum Ausstieg aus der Krisenpolitik des billigen Geldes verkünden. Das hatte EZB-Direktor Benoît Curé kürzlich betont: «Es sollte keine Zweifel geben, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik weit entfernt ist»

Andere Massnahmen unwahrscheinlich

Andere Sondermassnahmen gegen die Wachstumsschwäche im Währungsraum wie etwa Strafzinsen auf überschüssige Liquidität von Geschäftsbanken gelten mittlerweile als unwahrscheinlich.

Eher dürfte Draghi auf die Wirkung seiner Worte bauen, um den Finanzmärkten Entschlossenheit zu demonstrieren. Nach der Ankündigung von Fed-Chef Ben Bernanke, das Anleihenkaufprogramm langsam zurückzufahren, zogen die Risikoprämien auf Staatsanleihen im Euroraum wieder an.

(tke/sda)