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EZB bereitet Strafzins für Banken vor

Peter Praet: Der EZB-Chefökonom hat grosse Pläne. Bloomberg

Noch nie gab es in der Euro-Zone negative Zinsen. Nun bestätigt der Chefökonom der EZB, Peter Praet, dass Banken wohl bald Strafgebühren zahlen müssen.

Veröffentlicht am 14.05.2014

Im Kampf gegen die niedrige Inflation nimmt die Europäische Zentralbank (EZB) immer radikalere Mittel ins Visier. Nach Aussagen ihres Chefökonomen Peter Praet müssen die Banken wohl bald Strafgebühren bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der Notenbank deponieren wollen. «Negative Einlagenzinsen sind ein möglicher Teil einer Kombination von Maßnahmen», sagte Praet im Gespräch mit der Wochenzeitung «Die Zeit».

Praet ist als Direktoriumsmitglied für die Vorbereitung der Zinsentscheidungen zuständig und damit einer der einflussreichsten Notenbanker. Die EZB verspricht sich durch die negativen Zinsen vor allem eine Begrenzung der Aufwertung des Euro, der in der vergangenen Woche zeitweise auf fast 1,40 Dollar stieg.

Mehrere Fachleute rechnen bereits im Juni mit Strafzins

Bereits am vergangenen Freitag hatte Handelszeitung.ch darüber berichtet, dass immer mehr Fachleute von einem negativen Depositensatz in der Euro-Zone ab Juni ausgehen. Heute liegt die Rate bei Null. Die Bantleon Bank rechnet mit einer Senkung auf minus 0,25 Prozent, die UBS auf minus 0,15 Prozent. Negative Einlagezinsen gab es seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 noch nie.

«Für diese Massnahme spricht, dass Draghi während der Pressekonferenz immer wieder auf die Problematik des Wechselkurses hingewiesen hat und negative Leitzinsen als das 'beste' Mittel zur Bekämpfung der Euroaufwertung angesehen werden», sagte Daniel Hartmann, Ökonom bei der Bantleon Bank.

Andere Experten wie Goldman Sachs, Barclays und BNP Paribas rechnen ebenfalls schon für Juni mit einem negativen Einlagesatz. Das würde bedeuten: Wollen Banken ihre überschüssige Liquidität kurzfristig bei der Notenbank parken, müssen sie eine Busse dafür zahlen – statt dass sie Zinsen dafür bekommen.

In der Schweiz bereits in den 1970er Jahren erprobt

Was für die Euro-Zone ein Novum wäre, wurde in der Schweiz bereits in den 1970er Jahren erprobt. Als der Schweizer Franken wegen der Ölkrise massiv aufwertete, verständigten sich SNB und Geschäftsbanken auf Negativzinsen für kurzfristige ausländische Frankenguthaben. Erst vor wenigen Wochen plädierte der Internationale Währungsfonds neuerdings für negative Zinsen in der Schweiz, sollte der Deflationsdruck hierzulande steigen. Die SNB rechnet nur noch mit stagnierenden Preisen in der Schweiz in diesem Jahr.

Dänemarks Zentralbank wagte den Schritt nach der grossen Finanzkrise Anfang Juli 2012: Kurz nach Einführung eines Minus-Zins von 0,2 Prozent auf Bankdepositen bei der Zentralbank verlor die dänischer Krone binnen kürzester Zeit nachhaltig an Wert (siehe Grafik unten).

Negativzins: In Dänemark laut Praet erfolgreich

In Dänemark habe die Massnahme laut EZB-Chefvolkswirt Praet dazu beigetragen, die Aufwertung der dänischen Währung abzumildern. «Im Kontext der sehr niedrigen Inflationsrate im Euro-Raum ist eine Aufwertung auch für die Euro-Zone ein Problem, weil ein stärkerer Euro die Einfuhren verbilligen und die Inflationsrate noch weiter nach unten drücken würde», so Praet laut Medienbericht.

Befürchtungen, die Banken könnten die Strafgebühren an ihre Kunden weitergeben und damit Kredite verteuern, teilt er demnach nicht. «Bei den Größenordnungen, über die wir reden, erwarte ich nicht, dass es dazu kommt», sagte er.

Staatsanleihekäufen nach Vorbild der amerikanischen Notenbank erteilte Praet indes vorläufig eine Absage. «Ich denke, dazu würde es erst kommen, wenn sich die Konjunktur und die Inflation in der Euro-Zone deutlich schlechter entwickeln als von uns erwartet», sagte er der Zeitung.

(moh)

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