1. Home
  2. EZB bittet Banken für Aufsicht zur Kasse

Kritik
EZB bittet Banken für Aufsicht zur Kasse

EZB in Frankfurt: Neue Aufsicht soll rund 260 Millionen Euro kosten.   Keystone

Für die neue Bankenaufsicht in der Eurozone benötigt die EZB Tausende neue Mitarbeiter. Top-Saläre locken. Die Kosten dürften sich auf 260 Millionen Euro belaufen. Bezahlen sollen dies die Geldhäuser.

Veröffentlicht am 27.05.2014

Die Europäische Zentralbank (EZB) schätzt die Kosten für die neue gemeinsame Bankenaufsicht allein für 2015 auf 260 Millionen Euro und will dafür alle Institute zur Kasse bitten. Nach den Plänen, die die Notenbank in Frankfurt vorstellte, gehen die Beiträge der einzelnen Geldhäuser allerdings weit auseinander.

So werden die grössten Banken, die künftig direkt der EZB-Aufsicht unterstehen, voraussichtlich bis zu 15 Millionen Euro im Jahr abdrücken müssen. Die kleinsten Institute, die der EZB nur indirekt unterstellt sind und von den nationalen Aufsehern kontrolliert werden, kämen dagegen auf gerade einmal 2000 Euro. Die EZB geht davon aus, dass die meisten Geldhäuser wohl Beträge zwischen 700.000 Euro und zwei Millionen Euro pro Jahr schultern müssen.

Aufsicht über rund 130 Banken

Die EZB übernimmt im November die Aufsicht über die grössten Banken der Euro-Zone, insgesamt vermutlich 130 Institute. Um mögliche Leichen im Keller zu entdecken, führt sie derzeit einen umfangreichen Bilanzcheck durch und prüft anschliessend in einem Stresstest, wie widerstandsfähig die Banken in einer neuen Krise tatsächlich wären. Eventuelle Kapitallöcher müssten dann unmittelbar gestopft werden. So soll eine saubere Übergabe gewährleistet werden.

Die EZB sieht in der gemeinsamen Aufsicht einen wichtigen Beitrag dazu, dass das Bankensystem als Ganzes sicherer wird. Damit begründet sie auch, dass alle Institute zur Kasse gebeten werden, abhängig von ihrer Grösse. Bei den Geldhäusern in Deutschland stossen die Pläne indes auf ein geteiltes Echo. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB), in dem etwa die Deutsche Bank und die Commerzbank organisiert sind, begrüsste das Modell: «Gute Aufsicht kostet gutes Geld», erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

Scharfe Kritik kam dagegen von den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken, die sich schon bei der Einzahlung in den ebenfalls beschlossenen europäischen Abwicklungsfonds dagegen wehren, die Risiken der Grossbanken mit abzuschirmen. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon sprach von einem weiteren Schritt hin «zur Vollkasko-Mentalität für international tätige Grossbanken»: Ablehnend äusserte sich auch der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, im Frankfurter Presseclub ICFW: «Jedes Institut sollte nur an die Aufsicht zahlen, von der es beaufsichtigt wird.»

Jahresgehalt von 245'000 Euro

Ein Grossteil der Gebühren, die die EZB von den Banken einsammeln will, geht für das Personal drauf. Die Notenbank, die die Bankenaufsicht quasi von null aufbauen muss, ist derzeit dabei, tausende neue Leute einzustellen. 8000 Bewerber haben bereits angeklopft, viele davon aus der krisengebeutelten Finanzbranche. Die neuen Mitarbeiter können, abhängig von ihrem Aufgabengebiet, mit einem Jahresgehalt von bis zu 245.000 Euro rechnen - nach EU-Regeln auch noch vergleichsweise niedrig versteuert.

Die EZB begründet die attraktiven Konditionen damit, dass sie nur so die besten Leute anlocken könne. «Es geht nicht um verschwenderische Bürokratie», betonte Budget-Chef Steven Keuning. Kritikern zufolge könnten die EZB-Pläne vor dem Hintergrund des Rechtsrucks bei den jüngsten Europawahlen aber durchaus für neuen Zündstoff sorgen.

(reuters/dbe)

Anzeige