Die Europäische Zentralbank (EZB) hält am Nullzins fest und behält auch ihren geldpolitischen Ausblick bei. Das teilte Präsident Mario Draghi heute in Frankfurt mit. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibe bei 0,0 Prozent, teilten die Euro-Wächter am Donnerstag in Frankfurt mit. Die EZB hielt dabei auch an der Option fest, im Notfall ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm hinsichtlich Umfang und Dauer auszuweiten.

«Die wichtigste Zielsetzung der Notenbanksitzung war offenbar, die Finanzierungskonditionen nicht weiter zu verschärfen und den Euro schwach zu reden», kommentierte Daniel Hartmann, Ökonom beim Zuger Investor Bantleon.

Eigentlich hatten einige Beobachter darauf gehofft, Draghi würde heute mehr Informationen zum geplanten Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik geben. Denn das seit März 2015 bestehende Aufkaufprogramm von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren läuft zum Ende des Jahres aus. Aktuell kauft die EZB Papiere für monatlich 60 Milliarden Euro. Nun vertröstete Draghi die Beobachter auf Oktober: Erst dann werde der «Grossteil der Entscheidungen» zum Anleihekaufprogramm getroffen. 

Seit März auf Rekordtief

Draghi betonte zudem die hohe Unsicherheit, die vom Wechselkurs ausgehe. Die Notenbank müsse die Bewegungen im Blick behalten und den Einfluss auf die Preisstabilität beobachten. Die Äusserungen des Italieners lassen aufhorchen, da er sich sonst selten konkret zum Wechselkurs äussert. Der Euro hatte in den vergangenen Wochen deutlich gegenüber dem Dollar, aber auch gegenüber dem Franken, an Wert gewonnen.

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Grundsätzlich sieht er die Entwicklung in der Euro-Zone jedoch positiv: Das Wirtschaftswachstum sei breit abgestützt. Seit 2013 habe die Wirtschaft sechs Millionen Jobs geschaffen, sagte der Italiener auf der Pressekonferenz.

Mit Blick auf die Preisentwicklung betonte der Italiener, dass die Inflation «eventuell» konvergent verlaufen werde. Dass es so kommt, scheint jedoch ungewiss. Denn Draghi verwies auch darauf, dass angesichts eines Basiseffekts die Gesamtinflation zum Jahresende wieder tiefer als heute ausfallen könnte. Im August lagen die Konsumentenpreise im Euroraum um 1,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Kerninflation, die Energie und Lebensmittel aussen vor lässt, blieb bei 1,2 Prozent.

Druck auf Draghi wächst

Dass gleichzeitig der Euro jüngst aufwertete, bringt die EZB in eine schwierige Lage: Das Erstarken der Gemeinschaftswährung verteuert Produkte europäischer Firmen auf den Weltmärkten. Das könnte in der Folge die Exporte aus dem Euroraum und damit das dortige Wirtschaftswachstum dämpfen. Zugleich werden Einfuhren aus anderen Währungsräumen günstiger, was die Inflation drückt.

Hinzu kommt die unsichere geldpolitische Lage in den USA: Präsident Donald Trump will zum Jahresende wohl einen Nachfolger für die Fed-Chefin Janet Yellen einsetzen, der womöglich länger als nötig an der lockeren Geldpolitik in den USA festhalten soll. Das erschwert die Situation für die Europäer, denn an den Finanzmärkten wird dem Dollar deshalb eine längere Phase der Schwäche zugetraut.

(mit Material von sda und reuters)