EZB-Präsident Mario Draghi hat Medienberichte über sein mögliches vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt zurückgewiesen. «Ich bin bei der EZB und werde bei der EZB bleiben», sagte Draghi am Montagabend im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Strassburg. Er reagierte damit auf Berichte, er wolle die EZB in absehbarer Zeit verlassen und Nachfolger von Girogio Neapolitano werden, dem hochbetagten Staatspräsidenten seines Heimatlandes Italien.

Draghi hatte sein Amt als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) im November 2011 angetreten. Die Amtszeit des EZB-Präsidenten dauert regulär acht Jahre, im Falle Draghis also bis Ende Oktober 2019.

Draghi: EZB steht bereit zu weiteren Massnahmen

Draghi bekräftigte in Strassburg zudem erneut die Bereitschaft zu weiteren Massnahmen im Kampf gegen eine flaue Wirtschaft und eine zu niedrige Inflation. Die EZB sei im Rahmen ihrer Mandats zum weiteren Einsatz von unkonventionellen Massnahmen bereit. Das angekündigte Kreditangebot für die Geschäftsbanken der Eurozone wird zu «sehr attraktiven Bedingungen erfolgen», versprach Draghi weiter, ohne allerdings näher auf mögliche Details der neuen Kreditgeschäfte (TLTRO) einzugehen.

Ausserdem habe die EZB ihre Vorbereitungen für die Belebung des Marktes für forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) im Währungsraum intensiviert. Hierbei handelt es sich um Anleihen, mit denen verschiedene Arten von Kreditforderungen abgesichert werden können. In den USA sind ABS-Papiere in der Finanzkrise stark in Verruf geraten. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hatte die von der EZB für den Herbst in Aussicht gestellte Belebung des Marktes für forderungsbesicherte Wertpapiere abgelehnt.

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EZB schritt im Juni kräftig ein

Zuletzt hatte die Europäischen Zentralbank (EZB) auf ihrer Zinssitzung Anfang Juni ein umfassendes Lockerungspaket im Kampf gegen die zu niedrige Inflation beschlossen. Damals senkte die EZB den Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,15 Prozent, führte einen Strafzins auf Guthaben der Geschäftsbanken bei der EZB ein und kündigte ein milliardenschweres Stützungsprogramm (TLTRO) gegen die schwache Kreditvergabe der Banken an. Ausserdem hatten die Währungshüter ihre Bereitschaft zu weitere Möglichkeiten der Lockerung signalisiert und zuletzt mehrfach ihre Handlungsbereitschaft deutlich gemacht.

(reuters/awp/moh)