EZB-Präsident Mario Draghi lässt sich vor der mit Spannung erwarteten Zinssitzung im Juni nicht in die Karten schauen. Zwar seien die Gefahren für die Konjunktur seit dem Jahresende 2016 messbar zurückgegangen, sagte der Notenbank-Chef am Montag im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europa-Parlaments in Brüssel.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sei aber davon überzeugt, dass ein «aussergewöhnliches Ausmass an geldpolitischer Unterstützung» immer noch nötig sei. Der EZB-Rat kommt am 8. Juni in Tallinn zu seiner nächsten Zinssitzung zusammen.

Inflation laut Draghi zu niedrig

Draghi ist vor allem die Inflation immer noch zu niedrig. Der Kostendruck, insbesondere von den Löhnen, sei nicht ausreichend, um eine dauerhafte und selbsttragende Entwicklung hin zum mittelfristigen EZB-Ziel zu unterstützen. «Das Lohnwachstum ist immer noch verhalten.»

Die Notenbank strebt eine Teuerung von knapp zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft an. Im April lag die Inflation in der Euro-Zone bei 1,9 Prozent. Für die EZB steht damit aber noch nicht fest, ob dieser Wert auch gehalten werden kann. Zudem war die Wirtschaft der Euro-Zone im ersten Quartal vergleichsweise kräftig gewachsen. Viele Ökonomen fordern deshalb, dass die EZB langsam von ihrer Politik der weit offenen Geldschleusen abrückt.

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Neue Prognosen nächste Woche

Draghi wies in Brüssel darauf hin, dass dem EZB-Rat bei seinem Treffen in der estnischen Hauptstadt kommende Woche neue Konjunktur- und Inflationsprognosen der eigenen Ökonomen vorliegen werden. Die Notenbank werde dann in der Lage sein, ihr Urteil zu den Gefahren für die Inflations- und Konjunkturentwicklung zu fällen.

Manche Experten halten es für möglich, dass die Notenbank im Juni vorsichtig die Weichen in Richtung einer späteren Eindämmung der Geldschwemme stellt und etwa Hinweise auf eine nötigenfalls noch expansivere Geldpolitik aus ihrem Ausblick streicht.

Offene Fragen zum Kaufprogramm

Bislang wollen die Währungshüter noch bis mindestens Ende Dezember Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat erwerben, um damit die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflation nach oben zu hieven. Die Währungshüter halten zudem die Zinsen auf dem Rekordtief von null Prozent, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen.

(reuters/mbü)