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EZB-Chef Mario Draghi lässt Vorsicht walten

Mario Draghi: Erklärt das weitere Vorgehen der EZB. Getty

Die Europäische Zentralbank spurt ganz vorsichtig die Zinswende vor. Ab Januar verringert sie ihre milliardenschweren Anleihenkäufe. Die Zinsen sollen aber noch lange auf dem Rekordtief bleiben.

Veröffentlicht am 26.10.2017

Die Europäische Zentralbank (EZB) beginnt ganz vorsichtig die Geldschleusen zu schliessen. Die umstrittenen Anleihenkäufe sollen ab Januar 2018 von 60 auf 30 Milliarden Euro monatlich reduziert werden. Ökonomen hatten den Schritt bereits erwartet. Das Programm soll bis mindestens Ende September 2018 laufen und damit neun Monate länger als bislang geplant.

EZB-Chef Mario Draghi hatte bereits angekündigt, dass der Grossteil der Entscheidungen zur Zukunft des Kaufprogramms am Donnerstag fallen wird. Notenbank-Insidern zufolge zeichnete sich zuletzt eine Mehrheit im EZB-Rat dafür ab, die monatlichen Transaktionen zwar zu verlängern, aber dabei deutlich zu kürzen. Die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken erwerben bereits seit März 2015 in grossem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere – aktuell für 60 Milliarden Euro pro Monat.

Leitzins bleibt unverändert

Den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, beliess das oberste Entscheidungsgremium der EZB erwartungsgemäss auf dem Rekordtief von null Prozent. Finanzinstitute, die Geld bei der Zentralbank parken, müssen weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Eine erste Zinserhöhung könnte Ökonomen zufolge womöglich erst 2019 anstehen.

Die EZB bekräftigte, dass die Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf ihrem derzeitigen Niveau verharren werden. Nach dem EZB-Entscheid verliert der Euro gegenüber Franken und Dollar an Wert. Am frühen Donnerstagnachmittag muss für ein Euro 1,167 Franken bezahlt werden.

Jahrelange Geldflut

Mit viel billigem Geld versuchen die Währungshüter seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und die Teuerung anzuheizen. Mittelfristig strebt die EZB eine jährliche Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an – weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Konsumenten dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das würde die Konjunktur abwürgen.

Weil die Konjunktur im Euroraum wieder besser läuft und die Zeiten von Inflationsraten nahe Null vorerst vorbei ist, wuchs in den vergangenen Monaten der Druck auf die Währungshüter, ihren Anti-Krisen-Kurs zu beenden. Ein zu abrupter Ausstieg könnte jedoch Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen.

(reuters/mbü)

Verfolgen Sie im Livestream die Pressekonferenz zum Zinsentscheid von EZB-Präsident Mario Draghi ab 14.30 Uhr:

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