Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Rahmen für Notkredite (ELA) für griechische Banken Medienberichten zufolge aufgestockt. Nach übereinstimmenden Informationen von «Frankfurter Allgemeiner Zeitung» und «Handelsblatt» beschloss der EZB-Rat in einer Telefonkonferenz am Donnerstag, das Kreditvolumen um rund 5 Milliarden Euro auf rund 65 Milliarden Euro zu erhöhen. Die EZB wollte die Berichte nicht kommentieren.

Hintergrund sei die angespannte Lage der griechischen Banken, die zunehmend unter Mittelabflüssen in Milliardenhöhe leiden, heisst es in den Berichten. Wie das «Handelsblatt» unter Berufung auf Kreise berichtet, reicht auch der erweiterte ELA-Rahmen gerade, um die Banken bis in kommende Woche hinein liquide zu halten. Die Athener Börse feiert die Nachricht: Das Tagesplus des Athex 20, dem wichtigsten Börsenbarometer, lag am Nachmittag bei über acht Prozent.

Eine Milliarde Euro weniger Steuereinnahmen

Die schlechte Zahlungsmoral der griechischen Steuerzahler reisst zu Jahresbeginn indes ein Milliarden-Loch in die Staatskasse. Mit 3,49 Milliarden Euro blieben die Steuereinnahmen im Januar rund 1 Milliarde hinter den Vorgaben der Regierung zurück, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten des Finanzministeriums hervorgeht. Offenbar hatten viele Griechen in Erwartung eines linken Wahlsieges am 25. Januar Steuerzahlungen zurückgehalten.

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Insbesondere die ungeliebte Immobiliensteuer ist vielen Einwohnern ein Dorn im Auge. Die neue Regierung des linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras will sie durch eine Abgabe auf Luxuswohnungen und Villen ersetzen. Die noch unter der Vorgänger-Regierung beschlossene alte Steuer wird jedoch vorerst noch eingezogen.

Finanzlage prekärer

Mit den Einnahmeausfällen wird die Finanzlage der klammen Regierung noch prekärer. Sie muss sich bis Ende des Monats mit den internationalen Geldgebern über die Modalitäten weiterer Rettungshilfen einigen, ansonsten droht dem seit Jahren von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) über Wasser gehaltenen Land die Staatspleite.

(awp/reuters/moh)