Die Investoren erwarten, dass Mario Draghi die Konjunktur weiter stimuliert – und sie nicht ein zweites Mal enttäuscht.

Die nächste geldpolitische Ankündigung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank steht am 10. März an. Nach dem Tempo zu urteilen, in dem die Anleiherenditen in der Eurozone auf neue Tiefstände fallen, haben sich die Händler für eine regelrechte quantitative Lockerungs-Party positioniert.

Vorbereitungen Lockerungsparty

Das Volumen der Anleihen, die mit weniger als minus 0,3 Prozent rentieren – die also nur dann für Ankäufe durch die EZB in Frage kommen, wenn die Notenbank den Einlagensatz senkt – ist seit der letzten Ratssitzung vom 21. Januar um über ein Drittel auf mindestens 1,22 Billionen Dollar gestiegen. Das war die Sitzung, nach der Draghi andeutete, weitere Lockerungsmassnahmen seien in Vorbereitung.

Am Montag erklärte er im Europäischen Parlament, niedrigere Ölpreise und Marktturbulenzen könnten die EZB veranlassen, Massnahmen zur Wiederbelebung der Inflation zu ergreifen.

Folgen der «Taubenrhetorik»

«So aggressiv kann Taubenrhetorik sich auswirken», sagte Peter Chatwell, Leiter Zinsstrategie bei Mizuho International in London. «Der Markt glaubt, dass die EZB im März mehr unternehmen wird; deshalb wird ein so hoher Anteil unterhalb des derzeitigen Einlagensatzes gehandelt.»

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Im Vorfeld der EZB-Ratssitzung im Dezember fielen die Renditen in Erwartung einer zusätzlichen Ausweitung der schon zu diesem Zeitpunkt beispiellosen Stimulierungsmassnahmen. Die auf der Sitzung beschlossene Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte und die Verlängerung des Ankaufsprogramms um sechs Monate enttäuschten die Märkte und hatten eine rasche Kehrtwende bei den Renditen zur Folge. An dem betreffenden Tag zogen die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen so scharf an wie seit 2011 nicht mehr.

Senkung wird erwartet

Eine Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte gilt für die Ratssitzung im März praktisch als sicher, wie sich aus Terminkontrakten ergibt. Damit würde sich das Volumen der Anleihen, die die Bedingungen für das Ankaufprogramm der EZB erfüllen, nach Stand vom heutigen Dienstag um geschätzte 400 Milliarden Dollar erhöhen, wie sich aus Daten des Bloomberg Eurozone Sovereign Bond Index ergibt.

Die Währungshüter seien «viel zu uneinsichtig» gewesen, urteilt Mark Dowding, Portfoliomanager bei BlueBay Asset Management in London. «Sie haben nicht in ausreichendem Umfang und nicht schnell genug geliefert, um die Nachfrage zu stimulieren. Es wird sehr schwer für Draghi, die bereits deutlich gestiegenen Erwartungen zu übertreffen.»

(bloomberg/ise/chb)