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Stimulus
EZB: Höhere Negativzinsen lauern am Horizont

Frankfurt: Die EZB neigt zu höheren Strafzinsen. Flickr/CC/Kiefer.

Mario Draghi kann sich keine Pause gönnen. Die Inflation bleibt tief, ein schwaches Wachstum in den Schwellenländern hemmt Europas Wirtschaft. Bereits im Dezember könnte er handeln.

Veröffentlicht am 09.11.2015

Nachdem er einer Rezession, die griechische Schuldenkrise und ein angeschlagenes Finanzsystems bewältigt hat, sollte der Präsident der Europäischen Zentralbank eine sich langsam verbessernde Wirtschaft feiern können. Stattdessen bedroht die Abschwächung in den Schwellenländern den Ausblick und die Inflation bleibt hartnäckig niedrig.

Damit sind die Währungshüter wieder da, wo sie bereits vor einem Jahr waren: sie denken wieder einmal darüber nach, ob sie mehr tun müssen, um die Teuerung und die Wirtschaft anzukurbeln. Ein Stimulus für die Kreditvergabe sind höhere Strafzinsen. Und genau dazu soll die Europäische Zentralbank (EZB) neigen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Höhere Strafzinsen

Die EZB steuert nach Einschätzung mehrerer Top-Notenbanker auf eine Verschärfung der Strafzinsen für Geldhäuser zu. Beim sogenannten Einlagensatz gebe es noch erheblichen Spielraum für eine weitere Senkung, sagten vier EZB-Ratsmitglieder, die ungenannt bleiben wollten.

Der Satz liegt seit September 2014 auf dem Rekordtief von minus 0,2 Prozent. Würde er weiter reduziert, müssten die Banken also höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht überschüssige Gelder parken. Bislang galt das aktuelle Niveau als Untergrenze. Inzwischen sind die Währungshüter aber von dieser Einschätzung abgerückt.

Viel Spielraum

«Lasst uns eine grosse Senkung vornehmen», sagte eines der Ratsmitglieder. «Er kann immer noch ziemlich kräftig gesenkt werden.» Zwei der Ratsmitglieder sagten, es gebe keine Zweifel, dass die EZB auf ihrer Zinssitzung Anfang Dezember handeln werde, da die Inflation im Währungsraum immer noch an der Nulllinie verharrt.

Einem dritten Top-Notenbanker zufolge wäre eine Senkung des Einlagenzinses der am wenigsten umstrittene geldpolitische Schritt. Er würde Banken stärkere Anreize geben, mehr Kredite an Firmen und Haushalte zu vergeben. Zudem könne er auch den Euro-Wechselkurs drücken, wenn in der Folge Investoren auf der Suche nach mehr Rendite zusätzliches Geld ausserhalb des Währungsraums anlegen. Importe würden dann teurer – die Inflation dürfte zunehmen.

(reuters/ise/ama)

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