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Geldpolitik
EZB-Inflationsziel in weiter Ferne

Europas Kampf um Preisstabilität
Mario Draghi: Der EZB-Chef hat einen Massnahmenplan in der Hinterhand.   Bloomberg

Experten rechnen damit, dass die Inflation in der Eurozone sich erst in Jahren normalisieren werde. Aktuelle Daten zeigen den tiefsten Wert seit fünf Jahren.

Die niedrige Inflation in der Eurozone wird sich nach Ansicht von Experten erst in Jahren normalisieren. Wie aus der am Donnerstag von der EZB veröffentlichten Umfrage unter professionellen Beobachtern ihrer Geldpolitik hervorgeht, rechnen diese erst 2019 wieder mit fast stabilen Preisen. Demnach soll sich 2016 die Inflationsrate mit 1,5 Prozent wieder dem von der EZB angestrebten Wert von knapp zwei Prozent annähern.

Im laufenden und im nächsten Jahr wird dieses Ziel jedoch wohl deutlich verfehlt: Die Beobachter rechnen für 2014 mit einem Wert von 0,7 Prozent. Im Mai hatten sie noch 0,9 Prozent veranschlagt. Nächstes Jahr dürfte die Teuerung den Schätzungen zufolge dann auf 1,2 (Mai: 1,3) Prozent steigen.

Unveränderter Leitzins

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihren Leitzins vergangene Woche bei 0,15 Prozent belassen. EZB-Chef Mario Draghi rechnet mit einer längeren Phase niedriger Inflation. Als Abwehrmittel gegen einen konjunkturschädlichen Preisverfall hält die Zentralbank ein Wertpapierankaufprogramm bereit. Es soll aber nur zum Einsatz kommen, wenn der Eurozone eine Deflation und ein Konjunktureinbruch drohen sollten.

Die professionellen Beobachter gehen davon aus, dass die Euro-Zone dieses Jahr um 1,0 Prozent wachsen wird. Das Wachstum soll sich 2015 auf 1,5 Prozent beschleunigen. Sie blicken damit etwas skeptischer auf die Konjunkturentwicklung in diesem Jahr als im Mai. Damals veranschlagten sie für 2014 ein Wachstum von 1,1 Prozent.

Die EZB befragt vierteljährlich professionelle Beobachter ihrer Geldpolitik. Die Umfrage dient dem Abgleich der Sicht der EZB mit der Einschätzung der Akteure am Finanzmarkt.

Inflation noch bei 0,4 Prozent

Im Juli legten sie zum Vorjahresmonat nur noch um 0,4 Prozent zu, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Donnerstag nach endgültigen Berechnungen mitteilte. Dies ist der niedrigste Wert seit Oktober 2009. Im Juni lag die Inflationsrate noch bei 0,5 Prozent. Zum Vormonat fielen die Preise im Juli um 0,7 Prozent und damit etwas stärker als erwartet.

Die Jahresteuerung wurde insbesondere durch fallende Energiekosten gedämpft. Sie gaben um ein Prozent nach. Die Preise für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak fielen um 0,3 Prozent. Für Restaurantbesuche und Mieten mussten die Bürger jedoch deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die entsprechenden Kosten stiegen um 1,5 beziehungsweise 1,3 Prozent. Die Inflationsrate ist insgesamt weit niedriger als der EZB lieb sein kann. Diese hatte den Leitzins auf ihrer jüngsten Sitzung auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent belassen.

(reuters/vst/ama)

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