1. Home
  2. Konjunktur
  3. EZB kauft Anleihen für 1'140'000'000'000 Euro

Entscheid
EZB kauft Anleihen für 1'140'000'000'000 Euro

Die Europäische Zentralbank wagt einen historischen Schritt: Bis mindestens September 2016 kauft sie Anleihen von Staaten und Firmen für über 1.1 Billion Euro.

Veröffentlicht am 22.01.2015

Die Europäische Zentralbank (EZB) will im Kampf gegen eine erneute Krise im Euroraum Hunderte Milliarden Euro in die Wirtschaft pumpen. Dazu beschloss sie am Donnerstag, monatlich Anleihen von Staaten und Unternehmen im Gesamtwert von 60 Milliarden Euro zu erwerben.

Das Kaufprogramm soll bis September 2016 laufen, wie Notenbank-Präsident Mario Draghi nach dem Beschluss des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt sagte. Der Gesamtumfang könnte damit über 1.1 Billion Euro erreichen. Die EZB werde Papiere mit einer Laufzeit von zwei bis 30 Jahren kaufen, sagte Draghi gegenüber den Medien.

Hoffnung auf höhere Investitionen

Für eine solche Anti-Krisen-Massnahme – im Fachjargon quantitative Lockerung oder «QE» genannt – druckt die Notenbank frisches Zentralbankgeld und kauft damit Wertpapiere. Seit Monaten hatten Draghi und weitere führende Notenbanker die Märkte an einen solchen Schritt vorbereitet.

Das frische Geld kommt im Idealfall über die Banken, denen die Zentralbank Anleihen abkauft, in Form von Krediten bei Unternehmen und Konsumenten an. So könnte es Konsum und Investitionen anschieben und so die schwache Konjunktur in Schwung bringen.

Euro rutsch gegenüber Dollar ab

Funktioniert das wie erwartet, würde das auch die zuletzt extrem niedrige Inflation im Euroraum wieder in Richtung des EZB-Ziel von knapp unter 2,0 Prozent befördern. Damit würden Sorgen vor einem gefährlichen Preisverfall auf breiter Front – also einer Deflation – vorerst beendet. Allerdings ist umstritten, dass Anleihenkäufe das gewünschte Ziel erreichen.

Die Entscheidung beweg die Märkte: Die neue Flut billigen Geldes der EZB gibt dem Dax am Donnerstag Auftrieb. Er steigt um bis zu ein Prozent auf ein Rekordhoch von 10'399,67 Punkte. Im Gegenzug rutscht der Euro um bis zu 0.8 Prozent auf 1.1511 Dollar ab.

Die Renditen 10-jähriger spanischer Bonds fallen jeweils auf knapp 1.5 Prozent und damit auf ein Zehnjahrestief.

Zinsen bleiben unverändert

Zudem hat die EZB hat ihre Leitzinsen wie erwartet nicht verändert. Der Zins für einwöchiges Zentralbankgeld liege weiter auf dem Rekordtief von 0.05 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mit. Der Ausleihungssatz zur Spitzenrefinanzierung beträgt weiterhin 0,3 Prozent. Der Einlagensatz verharrt bei minus 0,2 Prozent.

(sda/awp/dbe/moh)

Anzeige