Die Europäische Zentralbank (EZB) beabsichtigt laut Kreisen, ihre neuen Anleihekäufe dem Volumen nach nicht zu begrenzen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf mit den Planungen vertraute Personen.

Zurzeit arbeiten mehrere Gremien der Notenbank an dem neuen Programm zum Kauf von Staatsanleihen finanzschwacher Länder, das EZB-Chef Mario Draghi nach der letzten Ratssitzung im August angekündigt hatte. In der Bundesbank stossen die Pläne auf Widerstand.

Wie schon bei ihren ersten Anleihekäufen, die sie mit der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 aufgenommen hatte, will die Notenbank die Käufe offenbar «sterilisieren». Das bedeutet, dass sie die zusätzliche Liquidität infolge der Käufe an anderer Stelle wieder aus dem Markt nehmen wird.

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Bereits jetzt führt die EZB wöchentliche Geschäfte mit den Euroraum-Banken durch, um die Liquidität aus den bisherigen Anleihekäufen - zurzeit etwas mehr als 200 Milliarden Euro - wieder einzusammeln. Dieses Vorgehen, mit dem Inflationsrisiken vorgebeugt werden soll, hat bis auf wenige Ausnahmen funktioniert.

Keine Zinsobergrenzen veröffentlichen

Verzichten will die EZB laut den Kreisen aber auf die Veröffentlichung von Zinsobergrenzen, bei deren Überschreiten sie an den jeweiligen Anleihemärkten intervenieren müsste. Bekannt ist bisher, dass die Notenbank nur dann am Anleihemarkt intervenieren will, wenn die entsprechenden Länder den Rettungsfonds EFSF beziehungsweise ESM um Hilfe gebeten haben.

Intervenieren wird die EZB jedenfalls nur am Sekundärmarkt, wo bestehende Staatstitel gehandelt werden. Denn ein direkter Kauf von den jeweiligen Staaten am Primärmarkt ist der Notenbank verboten, da dies einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse gleichkäme.

Als möglichen Titel für das Kaufprogramm nennen die Kreise «Monetary Outright Transactions». Wie bereits durchgesickert war, wolle sich die EZB auf den Kauf von Staatsanleihen mit kürzeren Laufzeiten von bis zu drei Jahren beschränken.

Die EZB begründet die zweite Runde von Anleihekäufen damit, dass die Wirkung ihrer Geldpolitik wegen des grossen Misstrauens in den Euro beschädigt sei. Kritiker halten entgegen, die Käufe seien nicht durch das Mandat der EZB gedeckt und schürten Inflationsrisiken.

(laf/aho/awp)