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Kreditmarkt
EZB sieht Anzeichen der Besserung in Europa

Euro-Symbol in Frankfurt: Die dunklen Wolken lichten sich.  Keystone

Die Banken in Europa knausern mit Krediten. Die EZB macht deshalb Druck. Erste Massnahmen greifen bereits. Im Notfall ist man aber bereit, über die jüngsten Massnahmen hinaus noch mehr zu machen.

Veröffentlicht am 17.11.2014

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht bei einem der grössten Probleme in der Eurozone erste Fortschritte: bei der Kreditvergabe. Es gebe mittlerweile Hinweise, die deutlich machen, dass die Dynamik bei der Kreditvergabe den Wendepunkt erreicht habe, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet am Montag in London laut Redetext. In den vergangenen Monaten habe sich die Lage verbessert, wenn auch ausgehend von einem niedrigen Niveau, wie Praet einräumte.

Bei der Vergabe von Bankkrediten an private Haushalte habe es beispielsweise im September erneut einen Zuwachs gegeben, so der Chefvolkswirt. Dagegen sei die Kreditvergabe an Unternehmen zuletzt zwar weiter gesunken. Allerdings zeige sich auch bei den Firmenkrediten eine Bodenbildung.

Viele Massnahmen umgesetzt

Mittlerweile seien viele der für eine Normalisierung der Kreditvergabe notwendigen Massnahmen umgesetzt worden, so Praet weiter. Allerdings sei auch klar, dass eine völlige Instandsetzung des sogenannten geldpolitischen Transmissionsmechanismus noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Hierunter verstehen Notenbanker das Weiterleiten des billigen Geldes von der EZB über die Geschäftsbanken hin zu den Unternehmen und Verbrauchern.

Erster Schritt hin zur Normalisierung

Die jüngsten Massnahmen der EZB im Kampf gegen die zu geringe Kreditvergabe wie beispielsweise der Kauf von Kreditverbriefungen (ABS) oder gedeckten Schuldverschreibungen (Covered Bonds) von den Banken seien erst der erste Schritt hin zu einer Normalisierung der Lage.

Neben der Zentralbank müssten auch die Mitgliedsstaaten ihren Teil zur weiteren Besserung der Lage auf dem Kreditmarkt beitragen, forderte Praet. Vor allem eine stärkere Nachfrage von Unternehmen nach Bankkrediten sei der Schlüssel zur Reparatur des gestörten Transmissionsmechanismus. «Das meint, dass die Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten ihren Teil erfüllen muss, damit die Euro-Volkswirtschaften so schnell wie möglich wieder zu ihrem Potentialwachstum zurückfinden.»

Notfalls ist die EZB sogar zu mehr bereit

«Wir können, wenn es denn darauf ankommen sollte, mehr tun», sagte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch am Montag laut Redetext zum Auftakt der «Euro Finance Week» in Frankfurt. Allerdings sollten die bisherigen Sondermassnahmen zunächst ihre Wirkung entfalten können.

«Wir kreieren kein unhaltbares Risiko für den Steuerzahler», betonte Mersch. Riskant für den Steuerzahler wäre, wenn die EZB ihr Mandat nicht ernst nähme: «Wenn wir vermeiden, dass die sehr niedrige Inflation zu lange anhält und die Wirtschaft stagniert, mindern wir das Risiko für alle Steuerzahler im Euroraum.»

Die Notenbanker seien sich «möglicher Nebenwirkungen und Langzeitrisiken» ihres Kurses bewusst, versicherte Mersch. «Insgesamt würde ich mich sehr viel wohler fühlen, wenn die politisch Verantwortlichen sich klar dazu bekennen würden, das Risiko für die EZB zu verringern.» Geldpolitik könne Strukturreformen nicht ersetzen.

(awp/ise/ama)

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