1. Home
  2. Konjunktur
  3. EZB in Sorge: China könnte Aufschwung abwürgen

Unmut
EZB in Sorge: China könnte Aufschwung abwürgen

EZB-Gebäude: Die Euro-Hüter blicken mit Sorge nach China. Keystone

Ein Blick in die jüngsten Protokolle der EZB-Sitzungen zeigt, wie sehr sich die Notenbanker um die Turbulenzen im chinesischen Markt sorgen. Die Entwicklungen könnten grosse, negative Effekte haben.

Veröffentlicht am 13.08.2015

Die EZB warnt vor Gefahren für das immer noch bescheidene Wachstum in der Euro-Zone durch die jüngsten Finanzmarkt-Turbulenzen in China. «Finanzielle Entwicklungen in China könnten einen grösser als erwarteten negativen Effekt haben», hiess es im Protokoll der Ratssitzung vom 15. und 16. Juli, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Dabei wiesen die Euro-Wächter auf die starke Stellung der Volksrepublik im Welthandel hin. Chinas Konjunktur hatte sich zuletzt merklich abgekühlt. Im Monat vor dem EZB-Treffen war die Börse in Shanghai auch deswegen um rund 20 Prozent eingebrochen.

Essentiell für Europa

China ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Europa. Immer mehr Volkswirte halten es nicht mehr für wahrscheinlich, dass das asiatische Land 2015 das offizielle Wachstumsziel der Regierung von sieben Prozent schafft. Ohnehin wäre das der geringste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert.

Insgesamt hielten die Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung an der Auffassung fest, dass die Konjunktur im Währungsraum sich nur moderat erholt, «was als enttäuschend eingestuft wurde», wie es im Protokoll weiter hiess. Während es in den USA einen deutlichen Aufschwung gebe, liege die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone noch nahe dem Niveau von 2008.

Geldpolitik bekräftigt

Für die am Freitag erwarteten Wachstumsdaten für das zweite Quartal erwarten von Reuters befragte Experten ein Plus von 0,4 Prozent. Die Volkswirte gehen zudem nicht davon aus, dass sich in den weiteren Quartalen bis Ende 2016 an dieser Rate etwas stark ändert.

Die Währungshüter bekräftigten zudem ihren geldpolitischen Kurs. Es gebe keinen Anlass, das Wertpapier-Kaufprogramm zu ändern, mit dem die Wirtschaft angeschoben werden soll. Bei der Inflation sei inzwischen der Boden erreicht, es sei aber noch zu früh, von einer Wende zu sprechen. Seit März pumpen die EZB und die nationalen Notenbanken über den Kauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem. Damit wollen sie die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation nach oben treiben. Trotz der Geldflut verharrte die Teuerung zuletzt noch auf sehr niedrigen Niveaus. Im Juli lag sie in der Euro-Zone wie schon im Juni lediglich bei 0,2 Prozent. Ziel der Währungshüter ist aber mittelfristig eine Rate von knapp zwei Prozent, die sie als ideal für die Wirtschaftsentwicklung betrachtet.

(reuters/ise/hon)

Anzeige