Die Europäische Zentralbank (EZB) ist bei ihren umstrittenen Anleihenkäufen auf die Bremse getreten. Die Euro-Hüter nahmen in der Woche bis zum 30. Oktober Staatsanleihen im Wert von 10,57 Milliarden Euro in ihre Bücher, wie die Notenbank mitteilte. In der Woche davor waren es noch 12,25 Milliarden Euro. Seit März erwarben die EZB und die nationalen Zentralbanken der Euro-Länder Staatsbonds im Volumen von 393,64 Milliarden Euro.

Bislang ist geplant, dass die Käufe bis September 2016 laufen und dann einen Gesamtumfang - Pfandbriefe und Hypothekenpapiere eingeschlossen - von 1,14 Billionen Euro erreichen. Zuletzt hatte EZB-Präsident Mario Draghi allerdings die Tür für eine Ausweitung der geldpolitischen Massnahmen weit geöffnet, sollte dies erforderlich werden. «Wir werden prüfen, ob weitere Anreize nötig sind», sagte er am Wochenende der italienischen Zeitung «Il Sole 24 Ore».

Anleihen unattraktiver für Banken

Draghi will mit den Käufen dafür sorgen, dass Anleihen-Investments für Banken unattraktiver werden. Sie sollen stattdessen mehr Kredite an Firmen und Haushalte ausreichen. Das würde die Konjunktur und auch die Inflation anschieben. Doch bisher waren die Auswirkungen auf die Teuerung eher mager: Die Preise verharrten in der Euro-Zone im Oktober auf dem Niveau des Vorjahresmonats - im September waren sie sogar um 0,1 Prozent gesunken.

Die EZB strebt aber als optimalen Wert für die Wirtschaftsentwicklung mittelfristig eine Inflation von knapp unter zwei Prozent an. Ein Preisverfall auf breiter Front gilt als gefährlich, weil sich Verbraucher dann in der Erwartung zurückhalten, Produkte bald noch günstiger kaufen zu können. Unternehmen verdienen in der Folge weniger und stellen Investitionen zurück. Eine Abwärtsspirale setzt ein, die eine Wirtschaft lange Zeit lähmen kann.

(reuters/chb)