Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt vor der Überhitzung einiger Immobilienmärkte in Europa. «Unsere Analysen und die des Internationalen Währungsfonds bestätigen, dass es auf einigen Märkten, darunter dem Immobilienmarkt, Anzeichen für eine Überhitzung in einigen Ländern geben könnte», sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio am in Frankfurt.

Alleine im zweiten Quartal hätten etwa die Behörden in Belgien, den Niederlanden, Slowenien und Estland Gegenmassnahmen ergriffen, um den Markt abzukühlen, sagte Constancio. Solche Massnahmen können beispielsweise zusätzliche Kapitalanforderungen sein, die Banken erfüllen müssen, um Risiken eines Hypothekenkredits abzusichern. Durch diese zusätzlichen Anforderungen wollen die Aufseher einer allzu lockeren Kreditvergabe entgegenwirken.

Niedriger Zins als Treiber

Ein Grund für den teils rasanten Anstieg der Preise für Immobilien in einigen europäischen Ländern könnten nach Einschätzung des Portugiesen auch die niedrigen Zinsen der Notenbank selbst sein, die die Jagd der Investoren nach Rendite forciert hätten. «In so einem Umfeld können sich finanzielle Ungleichgewichte aufbauen.» Die EZB hatte ihren Leitzins Anfang des Monats auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und erhebt erstmals Strafzinsen von Banken, die Geld lieber bei ihr horten als es an Unternehmen und Haushalte zu verleihen.

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Noch keine Spekulationsblase

Bereits vergangene Woche hatte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret in einem Reuters-Interview vor Überhitzungen auf dem deutschen Immobilienmarkt gewarnt. Die teils sehr deutlichen Preissteigerungen, die bislang nur auf Metropolen wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart beschränkt waren, seien mittlerweile auch in mittelgrossen Städten zu beobachten. Dort seien die Märkte für Häuser und Wohnungen bereits um zehn bis 20 Prozent überbewertet, in den sieben grössten Ballungsräumen um bis zu 25 Prozent. Von einer Spekulationsblase könne man aber nach wie vor noch nicht sprechen.

Constancio betonte, um das Entstehen von Spekulationsblasen wirksam zu bekämpfen, müssten entsprechende Gegenmassnahmen von den Behörden frühzeitig eingesetzt werden. Um auf Ebene der Euro-Zone effektiver gegen aus dem Finanzsystem kommende Gefahren vorgehen zu können, würden die EZB und die unter ihrem Dach entstehende Bankenaufsicht bei Fragen der Finanzstabilität eng zusammenarbeiten. So seien mindestens vierteljährliche gemeinsame Beratungen des obersten Aufsichtsausschusses und des EZB-Rats vorgesehen, sagte Constancio.

Der EZB-Rat, in dem EZB-Präsident Mario Draghi, sein Vize Constancio, die vier übrigen EZB-Direktoren und die derzeit 18 Notenbankchefs der Euro-Länder sitzen, hat auch in Fragen der Bankenaufsicht das Recht der letzten Entscheidung.

(reuters/chb)