Die US-Notenbank Fed hat mit ihrer ersten Leitzinserhöhung seit vielen Jahren das Kapitel «Finanzkrise» zugeschlagen. Risiken bleiben allerdings. Deshalb versprechen die US-Notenbanker, weiterhin vorsichtig zu sein.

Die Fed hat nach der ersten Leitzinsanhebung seit der Krise weitere «graduelle» Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Die Zinsen sollten schrittweise steigen, sagte Fed-Präsidentin Janet Yellen am Mittwoch an einer Pressekonferenz in Washington.

Fed geht behutsam vor

Ein einfaches Kriterium, an dem weitere Schritte festgemacht werden könnten, gebe es aber nicht. Der erste, nun gemachte Schritt sollte nicht überbewertet werden, sagte Yellen. Es handle sich um eine kleine Zinserhöhung.

Die weiteren Zinsschritte würden behutsam erfolgen, hiess es in der Erklärung des Offenmarktausschusses. «Der Leitzins wird wahrscheinlich für einige Zeit unter dem Niveau bleiben, das langfristig vorherrschen wird.» Bis Ende 2016 erwartet die Zentralbank einen Anstieg der Zinsen auf 1,4 Prozent.

Keine Überraschung

Vor der Pressekonferenz hatte die Notenbank bekanntgegeben, dass sie nach sieben Jahren extrem billigen Geldes erstmals wieder ihre Leitzinsen erhöht. Die kurzfristigen Zinsen steigen um zunächst 0,25 Prozentpunkte auf ein Niveau zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Die Entscheidung war weltweit weitgehend in dieser Form vorhergesehen worden. Fed-Chefin Janet Yellen sagte, die Entscheidung beende die «aussergewöhnliche» Zeit der Nullzinsen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise. Angesichts der Krise hatte die Federal Reserve den US-Leitzins Ende 2008 auf das Rekordtief von null bis 0,25 Prozent gesenkt.

Anzeige

Daneben kaufte die Fed in mehreren Runden Staats- und Hypothekenanleihen auf und pumpte so mehr als drei Billionen Dollar in den Wirtschaftskreislauf. Die Anleihenkäufe hatte die Zentralbank bereits im Herbst vergangenen Jahres auslaufen lassen, seitdem warteten die Märkte gespannt auf den nächsten Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik.

Einstimmiger Entscheid

Der Offenmarktausschuss begründete den Zinsschritt nun damit, dass sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt in diesem Jahr «erheblich» verbessert habe. Die US-Arbeitslosenquote ist von über zehn Prozent inmitten der Finanzkrise auf zuletzt fünf Prozent gesunken, im November kamen über 200'000 neue Stellen hinzu.

Der Ausschuss sei auch überzeugt, dass sich die Inflation - derzeit durch niedrige Energie- und Lebensmittelpreise gedrückt - wieder der Zielmarke von zwei Prozent annähere, heisst es in dem Statement. Die Entscheidung der zehn Ausschussmitglieder war einstimmig gefallen.

Fed erwartet mehr Wachstum

Yellen sagte, dass eine «moderate» Zinserhöhung auch angesichts der guten Konjunktur «angemessen» sei. «Die wirtschaftliche Erholung hat eindeutig einen langen Weg zurückgelegt, auch wenn sie noch nicht abgeschlossen ist«, fügte die Fed-Chefin hinzu. Die Zentralbank hob ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft im Jahr 2016 leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent an.

Bereits im Sommer hatten viele Marktbeobachter mit einer Zinserhöhung gerecht, doch Turbulenzen auf den Finanzmärkten in China liessen die Fed noch etwas zögern. Yellen hatte in den vergangenen Monaten mehrfach eine Zinserhöhung bis Ende dieses Jahres in Aussicht gestellt.

Weitreichende Folgen

Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können. Dies schlägt sich in den Zinsen nieder, die Unternehmen und Konsumenten für ihre Kredite zahlen müssen. Für die Zentralbank ist der Leitzins ein Instrument, um die Entwicklung von Konjunktur und Preisen in einer Volkswirtschaft zu beeinflussen.

Anzeige

Liegt die Wirtschaft am Boden, können die Zentralbanker über billiges Geld das Wachstum anschieben. Wenn die Konjunktur heiss läuft, können sie einer drohenden Inflation mit höheren Zinssätzen entgegenwirken.

Wall Street reagiert gelassen

Die Zinspolitik der USA hat weitreichende Bedeutung. Sie beeinflusst unter anderem den Kurs des Dollars. In der US-Währung werden viele internationale Geschäfte abgewickelt. Zahlreiche Rohstoffpreise werden in Dollar errechnet, Finanzanlagen in Dollar gehalten. Ein zu heftiges Drehen an der Zinsschraube könnte Schockwellen etwa in die oft hoch in Dollar verschuldeten Schwellenländer senden.

Die Märkte reagierten unmittelbar nach der Entscheidung in Washington wenig aufgeregt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Plus von 1,28 Prozent auf 17'748 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1,45 Prozent auf 2073 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging mit plus 1,52 Prozent bei 5071 Stellen aus dem Handel.

Anzeige

(sda/reuters/mbü)