Die US-Notenbank (Fed) will laut Protokoll ihrer jüngsten Sitzung die Zinswende noch 2015 angehen. Die meisten Führungsmitglieder erwarteten, dass die Bedingungen für die erste Erhöhung seit fast zehn Jahren bis zum Jahresende gegeben seien, heisst es in den am Donnerstag veröffentlichten Mitschriften vom Treffen des Fed-Offenmarktausschusses Mitte September.

Nach überraschend schwach ausgefallenen Daten vom Arbeitsmarkt waren jüngst Zweifel aufgekommen, ob die Notenbank sich tatsächlich noch 2015 zu dem Schritt durchringen kann.

Gegenwind im Gremium

Manche Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Entscheidung wohl nicht mehr im Dezember fallen und Notenbankchefin Janet Yellen die Anhebung auf März 2016 verschieben wird. Wie aus den Protokollen hervorgeht, sieht die Fed die US-Wirtschaft jedoch weitgehend auf Kurs. Auch die Anzeichen für eine globale Konjunkturabkühlung hätten an den positiven Aussichten nichts grundlegend geändert.

Doch im Führungskreis der Notenbank gibt es auch einige Mitglieder, die vor einer vorschnellen Zinserhöhung warnen. So könne die Fed ihre Glaubwürdigkeit riskieren, wenn die Inflation niedrig bleiben sollte. Die Notenbank soll mit ihrer Geldpolitik Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern. Zuletzt blieb die Inflationsrate aber unter dem Ziel der Fed von zwei Prozent.

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«Die Miglieder gehen davon aus, dass die jüngsten globalen Entwicklungen über die kurze Frist weiteren Druck auf die Inflation ausüben dürften», heisst es in dem Protokoll. Inzwischen sähen mehr Mitglieder als zuletzt das Risiko einer weiter sinkenden Inflation.

Märkte reagieren unterschiedlich

Einen klaren Hinweis auf den Zeitpunkt einer Zinserhöhung ist dem Protokoll allerdings nicht zu entnehmen. Die Währungshüter sorgten sich um die konjunkturelle Abkühlung in China und hielten es für klug, mehr Klarheit bezüglich der Konjunkturaussichten abzuwarten, heisst es im Protokoll.

Seit Jahresbeginn bewegt sich die diese in den USA nahe der Nullmarke. Im August hatte sie bei nur 0,2 Prozent gelegen. Die niedrige Teuerungsrate ist allerdings zum grossen Teil auf die niedrigen Ölpreise zurückzuführen. Die Kernjahresrate, ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel, lag im August bei 1,8 Prozent.

Die Reaktionen an den Finanzmärkten waren unterschiedlich. Der Eurokurs legte nach den Zahlen zunächst zu und erreichte bei 1,1324 Dollar den höchsten Stand des Tages. Anschliessend sackte er allerdings wieder ab und notierte zuletzt mit 1,1270 Dollar sogar leicht unter dem Niveau unmittelbar vor der Veröffentlichung. Der Aktienindex Dow Jones Industrial baute hingegen seine Gewinne etwas aus und übersprang die Marke von 17'000 Punkten. Die Kurse von USA-Staatsanleihen gaben ihre nach der Veröffentlichung erzielten Gewinne rasch wieder ab.

«Protokoll inzwischen veraltet»

Die USA steuern auf die erste Zinserhöhung seit mehr als neun Jahren zu. Inzwischen rechnet aber ein Grossteil der Marktteilnehmer nicht mehr mit einer Zinswende in diesem Jahr. Insofern erscheint es auf den ersten Blick überraschend, dass ein Grossteil der Fed-Mitglieder laut Protokoll noch mit einer Straffung in diesem Jahr rechnet. Aber Joseph LaVorgna, Analyst bei der Deutschen Bank, rät davon ab, das Protokoll überzuinterpretieren. Das Papier sei inzwischen veraltet, weil neue Konjunkturdaten seit der September-Sitzung der Fed für neue Impulse gesorgt hätten.

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Insbesondere der jüngste US-Arbeitsmarktbericht von Anfang Oktober hatte die Erwartungen der Marktteilnehmer zur Geldpolitik stark verändert. Die Arbeitslosigkeit verharrte auf einem 7-Jahrestief, die Löhne stagnierten und die Beschäftigtenzahlen stiegen schwächer als erwartet. Seitdem rechnet ein Grossteil der Anleger nicht mehr mit einer Zinswende in diesem Jahr.

Fed-Banker will weiter Lockerung

Der Präsident der regionalen Notenbank von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, hatte am Donnerstag vor der Veröffentlichung des Protokolls sogar weitere geldpolitische Lockerungen statt einer Zinsanhebung ins Spiel gebracht. Die Fed solle mehr statt weniger Raum geben um den Arbeitsmarkt zu beflügeln, so der Notenbanker.

Kocherlakota hatte sich bereits vor den jüngsten Finanzmarktturbulenzen und den aktuellen Anzeichen der Schwäche seitens der chinesischen Wirtschaft gegen eine Leitzinsanhebung in diesem Jahr ausgesprochen.

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(reuters/awp/dbe)