Die US-Notenbank Fed hat offenbar keine Eile, die Leitzinsen zu erhöhen. Eine «Normalisierung» der ultralockeren Geldpolitik wurde von den Währungshütern zwar diskutiert, scheint sich aber noch nicht aufzudrängen. Das geht aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der letzten Fed-Sitzung («Minutes») vom 29. und 30. April hervor.

Die Notenbanker sehen nicht das Risiko, dass ihre immense Geldflut zur Belebung des Arbeitsmarktes die Inflation ausufern lässt. Die meisten der führenden Geldpolitiker sehen die Inflationsrate erst in ein paar Jahren auf dem Zielwert von zwei Prozent. Das dürfte Spielraum eröffnen, die Zinsen noch länger niedrig zu lassen.

Erholung am Arbeitsmarkt

Die Fed hat den Finanzmärkten versprochen, das Geld solange billig zu halten, wie die Flaute am Arbeitsmarkt anhält und die Teuerung nicht aus dem Ruder läuft. Den «Minutes« zufolge gehen die Notenbanker zwar davon aus, dass sich die Erholung an der Jobfront schrittweise fortsetzt. Ein mögliches Risiko für die US-Wirtschaft sehen einige Fed-Vertreter aber im zuletzt wieder leicht schwächelnden Häusermarkt.

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Seit Jahresbeginn baut die Fed ihre Konjunkturstützen schrittweise ab. Das monatliche Volumen der zur Wirtschaftsbelebung aufgelegten Anleihekäufe ist seitdem von 85 auf 45 Milliarden US-Dollar gesunken.

Wenn die Notenbank ihr Tempo bei der Drosselung beibehält, würde das Anleihekaufprogramm im Herbst komplett eingestellt sein. Bis zur ersten Zinserhöhung seit Ausbruch der grossen Finanzkrise vor mehr als fünf Jahren solle danach noch eine «beträchtliche» Zeit vergehen, heisst es bei der Fed vage.

Die Frage, wann in der grössten Volkswirtschaft der Welt die Zinsen angehoben werden, hält die Finanzmärkte aber in Atem. Zumal die Fed zuletzt nicht immer eindeutige Botschaften gesendet hatte. Aus dem Sitzungsprotokoll geht nun hervor, dass den Notenbankern diese Kommunikationsprobleme durchaus bewusst sind. Eine Reihe der Fed-Vertreter spricht sich für «klarere Signale» bei der Kommunikation aus.

US-Senat bestätigt neuen Fed-Vize Fischer

Vor Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls wurde der neue Vize-Chef der Notenbank, Stanley Fischer, vom US-Senat als Fed-Gouverneur bestätigt. Der 70-Jährige stand bis Mitte vergangenen Jahres an der Spitze der israelischen Zentralbank.

Die Finanzmärkte reagierten verhalten auf die Nachrichten. Der Euro stand zuletzt nahezu unverändert bei 1,3667 US-Dollar. Der Dow Jones Industrial konnte seine Gewinne behaupten. Kurz nach der Veröffentlichung des Notenbankberichts stieg der US-Leitindex auf ein Tageshoch bei 16 538 Punkten.