Der US-Währungshüter William Dudley hat eine Zinserhöhung im September ins Gespräch gebracht. «Ich denke, dass es möglich ist», sagte der Chef des US-Notenbankablegers in New York am Dienstag dem Fernsehsender Fox Business Network: «Wir nähern uns dem Zeitpunkt, zu dem es aus meiner Sicht angemessen ist, die Zinsen anzuheben.»

An den Terminmärkten habe sich unter den Investoren eine zu grosse Gelassenheit mit Blick auf eine Straffung der Geldpolitik breitgemacht, warnte Dudley. Seit der Zinswende vom Dezember 2015 hält die US-Zentralbank Federal Reserve den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

Eher gegen Ende des Jahres

Viele Fed-Beobachter rechnen zum Jahresende mit einem weiteren Schritt nach oben – wenn das Rennen um das Weisse Haus gelaufen ist. Die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im September schätzen die Händler nun immerhin auf 18 Prozent ein und damit doppelt so hoch wie vor den Äusserungen Dudleys.

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Dudley sagte, die US-Wahl spiele für die Geldpolitik keine Rolle. Die Wirtschaft werde sich im zweiten Halbjahr voraussichtlich besser entwickeln.

Besser als erwartet

Als positives Omen gelten die aktuellen Produktionsdaten aus den USA: Die Unternehmen haben den Ausstoss im Juli überraschend kräftig gesteigert. Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes stellten 0,7 Prozent mehr her als im Vormonat – der höchste Anstieg seit November 2014. Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet.

Die Auslastung der Maschinen und Anlagen lag mit 75,9 Prozent ebenfalls höher als von Experten erwartet. «Der industrielle Gegenwind für die Konjunktur dürfte abflauen und könnte zum Ende des Jahres eine Zinsanhebung ermöglichen», sagte Ökonom Bernd Krampen von der NordLB.

Inflationsziel verfehlt

Die Notenbank, die Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern soll, ist am Jobmarkt praktisch am Ziel. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 4,9 Prozent. Doch bei der Inflationsrate ist aus Sicht der Fed noch Luft nach oben: Die Konsumentenpreise lagen im Juli um 0,8 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, wie das Arbeitsministerium mitteilte.

Die Teuerungsrate war damit noch einen Tick niedriger als von Experten erwartet. Die Fed strebt bei der Inflation eine Zielmarke von 2 Prozent an. Die Währungshüter blicken bei der Inflation insbesondere auf die Preisveränderungen bei den persönlichen Konsumausgaben (PCE), wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten aussen vor bleiben. Auch dieser Wert lag im Juni mit 1,6 Prozent noch unter dem Zielwert.

(sda/jfr/mbü)