Die Führungsspitze der US-Notenbank Federal Reserve ist sich nicht einig über den geeigneten Zeitpunkt für die Zinswende. Dies ergaben veröffentlichte Protokolle der Juni-Sitzung.

Einige Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) hielten die Bedingungen dafür bereits für gegeben oder bald erfüllt. Viele der FOMC-Mitglieder um Fed-Chefin Janet Yellen wollten jedoch zunächst weitere Hinweise darauf sehen, dass sich die Wirtschaft gefestigt hat. Eine Reihe von Notenbankern warnte vor voreiligem Handeln.

Sorge um Griechenland

Obwohl sich die Verschärfung der Schuldenkrise um Griechenland zum Zeitpunkt der Zinssitzung Mitte Juni noch gar nicht abgezeichnet hatte, äusserten die US-Währungshüter Sorge über etwaige Turbulenzen an den Märkten der Euro-Zone und ein Übergreifen auf die USA.

Eine Reihe von Fed-Beobachtern rechnet für September oder zum Jahresende mit dem ersten Zinsschritt - eine Einschätzung, die durch die Protokolle nicht in Frage gestellt wurde. Auch der Chef der Fed von San Francisco, John Williams, machte in einer Rede deutlich, dass die Zinserhöhung trotz möglicher Gefahren durch die Entwicklung in Übersee dieses Jahr ansteht.

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Tiefstzins seit 2008

Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone («Grexit») sei unwahrscheinlich. Dieses Risiko sei gering und könne die gute Konjunkturentwicklung in den USA nicht überlagern.

Die US-Wirtschaft nähert sich der Vollbeschäftigung und liefert damit den Befürwortern einer baldigen Abkehr von der Nullzinspolitik gute Argumente. Obwohl die Wirtschaft zu Jahresbeginn geschrumpft war, hält Fed-Vizechef Stanley Fischer sie für stark genug für eine baldige Zinswende. Der Leitzins liegt seit dem Höhepunkt der Welt-Finanzkrise Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

(sda/ise)