Die US-Notenbank Fed beendet die Ära des billigen Geldes noch nicht. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Finanzsystems mit Geld bleibt in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent, wie die Währungshüter am Donnerstag mitteilten. Die meisten Experten hatten damit gerechnet, dass Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende wegen des jüngsten Börsenbebens in China und Sorgen um eine Abkühlung der Weltwirtschaft vorerst noch aufschieben würde.

Der Leitzins liegt seit dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise Ende 2008 bei nahe null. Die Fed hat jedoch eine Erhöhung noch für dieses Jahr in Aussicht gestellt - es wäre die erste seit fast zehn Jahren. Viele Beobachter rechnen damit, dass Yellen die Zinswende nun zum Jahresende vollziehen wird.

Gesenkte Zinsprognose für 2015 und 2016

Die Mitglieder der US-Notenbank erwarten ein geringeres Tempo bei den Leitzinserhöhung im kommenden Jahr. Auch die Erwartungen für das laufende Jahr wurde gesenkt. Dies geht aus den nach der Zinssitzung vorgestellten Projektionen hervor. Für Ende 2015 erwarten die Notenbanker im Mittel (Median) einen Leitzins von 0,375 Prozent, nachdem sie im Juni noch im Mittel von 0,625 Prozent ausgegangen waren.

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Dies spricht für eine Zinsanhebungen in diesem Jahr. Ende 2016 dürfte der Leitzins (Fed Funds Rate) auf 1,375 Prozent (zuvor 1,625 Prozent) steigen. Längerfristig wird ein Zinsniveau von 3,50 Prozent prognostiziert (zuvor 3,750 Prozent). Bereits im Juni und im März hatten die Notenbanker ihre Erwartungen an das Tempo der geldpolitischen Straffung gesenkt.

Die Medianwerte bei der Zinsprognose ergeben sich aus den Erwartungen der einzelnen Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank FOMC. Alle Währungshüter geben ihre Prognose während der zweitägigen Zinssitzung ab. Fed-Chefin Janet Yellen hatte in der Vergangenheit allerdings mehrfach die Bedeutung der Zinsprognosen herunter gespielt. An den Finanzmärkten werden die Prognosen allerdings stark beachtet.

Gold und Euro gewinnen

Kurz nach Bekanntgabe des Fed-Entschiedes drehte Gold leicht ins Plus und notierte um 0,2 Prozent fester bei 1121,71 Dollar je Feinunze. Der Dollar-Index rutschte tiefer ins Minus; er notierte 0,6 Prozent schwächer. Der Euro weitet die Gewinne aus, überpringt die Marke von 1,14 US-Dollar. Die US-Börsen reagierten kaum auf den Zinsentscheid.

(reuters/awp/chb)