Die Idee eines staatlichen Grundeinkommens ist nicht neu. Schon in den 1970er Jahren gab es Experimente in Kanada und in den USA. Finnland will das Grundeinkommen ab nächstem Jahr testen - als erstes europäisches Land.

Die Mitte-Rechts-Regierung möchte damit das komplexe Sozialsystem vereinfachen und letztlich Ausgaben sparen. Für Arbeitslose soll das Grundeinkommen einen Anreiz bieten, in den Arbeitsmarkt einzusteigen: Da sie nicht befürchten müssen, dadurch die Sozialleistungen zu verlieren und am Ende weniger zu haben, würden sie - so die Hoffnung - auch eine schlecht bezahlte Stelle annehmen.

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10'000 Probanden

Der Versuch soll zwei Jahre lang dauern und zeigen, wie sich das Grundeinkommen auswirkt. Testen will Finnland die Wirkung an zwei Gruppen: Die eine würde einen Querschnitt der Bevölkerung umfassen, die andere Personen im Arbeitslosen- und Sozialhilfesystem.

Wie viel die rund 10'000 Probanden erhalten, ist noch offen. Im Vordergrund steht ein Betrag zwischen 550 und 800 Euro. Ein solches Grundeinkommen würde nur einen Teil der Sozialleistungen ersetzen. Würden sämtliche Sozialleistungen wegfallen, wäre gemäss einer Studie ein Betrag von rund 1500 Euro nötig.

Negative Einkommenssteuer

Berühmt wurde ein Experiment in der kanadischen Stadt Dauphin, das von 1974 bis 1977 dauerte. Die Bewohnerinnen und Bewohner erhielten monatlich einen Betrag von 100 kanadischen Dollar, was heute rund 460 Dollar entsprechen würde. Der Versuch erfolgte nach dem Ansatz der negativen Einkommenssteuer: Pro zusätzlich verdienten Dollar wurde das Grundeinkommen um 50 Cent reduziert.

Wegen der Rezession wurde das Experiment 1977 abgebrochen. Ausgewertet wurde der Versuch erst später und nur teilweise. Gemäss diesen Ergebnissen ging die Arbeitsbereitschaft zwar zurück, aber nur leicht. Ähnliche Experimente gab es in den 1970er Jahren auch in den USA.

Minimale Existenzbasis

Theorien dazu waren indes schon früher entwickelt worden. So schlug der Ökonom Milton Friedman in den 1960er Jahren vor, dass der Staat für Erwerbseinkommen einen Schwellenwert festlegt, oberhalb dessen man Steuern bezahlt, unterhalb dessen man Anspruch auf einen Zuschuss hat.

Einkommensschwachen Personen würde so eine minimale Existenzbasis gesichert. Gleichzeitig würden Anreize geschaffen, einer Arbeit nachzugehen. Eine Bedarfsprüfung gibt es nach diesem Modell nicht. Dadurch könnten aus Sicht der Befürworter Verwaltungskosten gesenkt werden.

Proto-Experiment fürs Grundeinkommen

Mit den Veränderungen des Arbeitsmarktes ist die Idee des Grundeinkommens in den letzten Jahren wieder vermehrt ins Spiel gebracht worden. In vielen Ländern wird über mögliche Modelle und Versuche diskutiert. Das finnische Experiment wird daher mit Spannung erwartet.

Das sagen die Passanten zum bedingungslosen Grundeinkommen:

 

(sda/cfr)