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Geldpolitik
Franken-Kampf der SNB endet wohl bald

SNB-Sitz in Bern: Die nächsten Schritte der Währungshüter werden genauestens beobachtet. (Bild: Bloomberg)

Seit zwei Jahren streiten Wirtschaftsexperten über die Franken-Untergrenze der Nationalbank. Dabei interveniert die SNB kaum noch – und gibt ihren kontroversen Kurs womöglich schon bald ganz auf.

Von Mathias Ohanian und Vasilije Mustur
am 20.08.2013

Zehn knappe Zeilen reichten aus, um die Finanzmärkte auf den Kopf zu stellen: Am 6. September 2011 gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekannt, einen Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro festzusetzen - weil die «massive Überbewertung» der Währung eine «akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft» darstelle. Man werde den Kurs «mit aller Konsequenz durchsetzen», lautete die unmissverständliche Mitteilung.

Heute, zwei Jahre später, brauchen die Schweizer Währungshüter ihre Zähne nicht mehr zu zeigen. Das wirtschaftspolitische Umfeld hat sich merklich entspannt - vor allem in der Euro-Zone: In Frühjahr wuchs die Wirtschaft erstmals seit anderthalb Jahren wieder. Dabei legten nicht nur die beiden Schwergewichte Deutschland und Frankreich kräftig zu. Selbst in den Krisenstaaten besserte sich die Lage: Ausgerechnet Portugal verbuchte das grösste Plus. Für die Herbstmonate deuten die jüngsten Stimmungsindikatoren ebenfalls auf Besserung. 

Der Euro findet zu alter Stärke zurück

Entsprechend intervenierte die SNB zuletzt kaum noch, um den Mindestkurs zu halten. Und Experten gehen davon aus, dass sie das so schnell auch nicht mehr zu tun braucht. Das freundlichere Wirtschaftsumfeld werde dafür sorgen, dass die Nachfrage nach dem «sicheren Hafen» Schweizer Franken nachlasse, sagt Ursina Kubli, Währungsexpertin bei der Privatbank Sarasin.

Gleichzeitig wird die bessere Stimmung in der Euro-Zone die Gemeinschaftswährung in den kommenden Monaten stärken, erwartet Alexander Koch, Ökonom bei der italienischen Grossbank Unicredit. Und mit dieser Ansicht steht er keineswegs allein. Diverse Grossbanken in Europa rechnen inzwischen damit, dass der Franken schon zum Jahresende klar in Richtung seines fairen Wertes von rund 1.30 Euro fällt - und dann auch nicht mehr steigt. Bis zum Frühjahr könnte ein Euro bereits 1.35 Franken wert sein, erwarten die Analysten von Barclays. Die Währungsexperten der Commerzbank rechnen 2014 im Jahresschnitt gar mit einem Wert von 1.38 Franken.

«SNB könnte 2014 aussteigen»

Kommt es so, wäre der Weg zurück zur Normalität für die Schweizer Währungshüter geebnet: «Sollte der Franken einige Monate im Bereich seines fairen Werts stehen, könnte die SNB wieder zum Regime eines freien Wechselkurses zum Euro zurückkehren», sagt Christian Gattiker, Leiter der Analyseabteilung der Bank Julius Bär. Er glaubt, dass die derzeitige Krise in den weltweiten Schwellenländern dem Euro in der zweiten Hälfte 2013 noch zusätzlichen Auftrieb geben wird.

Zwar wird die SNB auf ihrer im September anstehenden vierteljährlichen Sitzung noch nicht reagieren, doch lange wird es wohl nicht mehr dauern: «Eskaliert die Euro-Krise nicht wieder, könnte die SNB 2014 aus ihrer unkonventionellen Geldpolitik aussteigen», sagt Unicredit-Ökonom Koch. Auch Sarasin-Expertin Kubli rechnet damit, dass «die SNB langsam beginnen wird, ihre Devisenreserven zu reduzieren, sobald der Euro-Franken-Kurs genügend weit ansteigt.». Damit wäre die Franken-Untergrenze faktisch aufgehoben.

Schweizer Notenbanker wandeln auf einem schmalen Grat

Klar ist, dass sich auch die Schweizer Notenbanker insgeheim wünschen, das leidige Streitthema bald zu den Akten legen zu können. Die SNB weiss um die Risiken am Schweizer Häusermarkt: Je früher sie also aus ihrer unkonventionellen Politik aussteigt und die Zinsen erhöht, desto besser ist das, um das Risiko einer wachsenden Vermögensblase zu senken.

«Die SNB sollte aber behutsam vorgehen, um die Schweizer Kreditnehmer nicht vor den Kopf zu stossen», sagt Ökonom Koch. Will heissen: Je schneller und kräftiger die SNB die Zinsen anhebt, desto grösser ist das Risiko, dass die privaten Haushalte mit Hypothekendarlehen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der Weg zurück zur Normalität bleibt somit ein Balanceakt.

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