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Geld
Frankenhoch: Gold-Initiative bringt SNB in Not

Der Franken kommt der Mindestgrenze zum Euro heute erneut gefährlich nah. Das bringt die Nationalbank auf den Plan. Für die Währungshüter stehen turbulente Wochen an.

Von Mathias Ohanian
am 17.11.2014

Für die Schweizerische Nationalbank wird es wieder ernst. Der Franken ist gefragt wie lange nicht, auch am heutigen Montag: Gegenüber dem Euro lag der Wechselkurs am Vormittag bereits bei 1.2011 Franken – und damit so nahe an der Untergrenze der SNB wie am Freitag und davor zuletzt vor über zwei Jahren, als die Notenbank im grossen Stil den Mindestkurs verteidigte.

«Sollte der Franken weiter aufwerten, dürfte die SNB bei einem Kurs von ungefähr 1.2010 eingreifen, ähnlich wie es bei der letzten Intervention von 2012 der Fall war», analysieren nun die Experten von Raiffeisen Schweiz. Genau an diesem Punkt befindet man sich mittlerweile wieder.

«Am späten Abend eine kurze Intervention»

Bereits am Freitag sorgte unter Händlern eine auffällige Transaktion für Aufregung – offenbar verteidigte die SNB da mit einem Kauf von 500 Millionen Euro zum ersten Mal seit über zwei Jahren wieder die Frankengrenze. «Schaut man sich den Innertageskurs vom Freitag an, könnte es am späten Abend eine kurze Intervention gegeben haben», sagt Alexander Koch, Ökonom bei Raiffeisen Schweiz. Die SNB selbst kommentiert einzelne Stützungskäufe nicht.

Verschiedene regelmässige Veröffentlichungen können mehr Aufschluss geben, darunter die wöchentlich publizierten Giroguthaben. Aktuell weisen diese aber nicht auf Stützungskäufe hin: Insgesamt stiegen die Sichteinlagen in der vergangenen Woche um knapp 900 Millionen Franken auf 368,2 Milliarden Franken, wie die SNB heute bekannt gab. Laut Experten liegt dieses Plus «absolut im wöchentlichen Schwankungsbereich.» Im Vergleich: Zum Höhepunkt der Euro-Stützungskäufe im Mai und Juni 2012 legten die Giroguthaben jede Woche um durchschnittlich über 10 Milliarden Franken zu.

Wenn die SNB interveniert, dann nur wenig

«Der Anstieg der Giroguthaben könnte auch von dem Bondrückkauf des Bundes mitverursacht worden sein», so Maxime Botteron, Devisenexperte bei der Credit Suisse, zu den heutigen Zahlen. «Sollte die SNB am Freitag interveniert haben, um den Franken zu schwächen, dann vergleichsweise wenig.» Die kolportierten 500 Millionen Franken klingen zwar nach einer grossen Summe, in der Welt der Notenbanken gilt dies jedoch als relativ wenig. So lagen die Devisenreserven der SNB zuletzt bei rund 460 Milliarden Franken, das entspricht rund 70 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung.

Diese Zahl könnte weiter steigen. Denn unbestritten ist, dass die SNB wegen des derzeit starken Frankens unter Druck steht. «Es ist sehr gut möglich, dass die SNB in den kommenden Wochen intervenieren muss», so Credit-Suisse-Experte Botteron. Kommt es so, rechnet er aber mit schwächeren Eingriffen als 2012, dem Höhepunkt der Euro-Krise.

Gold-Initiative sät Zweifel an SNB-Politik

Doch warum wertet der Franken in diesen Tagen wieder auf? Einige Fachleute führen dies auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zurück. EZB-Chef Mario Draghi will den Euro gegenüber anderen Währungen schwächen, um die kriselnde Wirtschaft im Euroraum anzukurbeln. Gegen diese These spricht, dass schon seit vielen Monaten bekannt ist, dass die EZB eine expansivere Geldpolitik verfolgen will.

Wahrscheinlicher scheint aktuell, dass die Gold-Initiative bei Investoren Zweifel an der Glaubwürdigkeit der SNB-Politik sät. Die Initiative würde den Handlungsspielraum der Nationalbank massiv einschränken. So argumentierten Ende vergangener Woche die Experten der Commerzbank. So sehen es auch die Ökonomen von Raiffeisen Schweiz: «Es wird spekuliert, dass es bei Annahme der Goldinitiative am 30. November für die Nationalbank zukünftig schwieriger wird, den Mindestkurs zu verteidigen.»

SRG-Umfragen geben mehr Aufschluss

Die Experten von Raiffeisen Schweiz ziehen den Vergleich zur Abstimmung über die Spaltung Schottlands von Grossbritannien vor wenigen Wochen: «Ähnlich wie beim britischen Pfund vor dem Schottland-Referendum wurde die Kursbewegung durch entsprechende Umfrageergebnisse verstärkt.» Umso wichtiger werden deshalb nun die Ergebnisse der zweiten und letzten SRG-Umfrage zur Gold-Initiative, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

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