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Bremse
Frankenschock belastet Schweizer Exporte

Uhr von Omega: Schweizer Zeitmesser sind im Ausland weiterhin gefragt. Keystone

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses schwächelt der Schweizer Aussenhandel. Viele Branchen verzeichneten in den ersten drei Monaten Einbussen. Bei der Uhrenindustrie sieht es hingegen anders aus.

Veröffentlicht am 23.04.2015

Nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses ist der Schweizer Aussenhandel zwar nicht eingebrochen. Aber er schwächelt, nahmen doch die Exporte in den ersten drei Monaten 2015 um 1,4 Prozent auf 50,6 Milliarden Franken ab, wie die Eidgenössische Zollverwaltung mitteilte.

Weil die Exportgüterpreise gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 0,4 Prozent stiegen, sanken die Ausfuhren teuerungsbereinigt gar um 1,7 Prozent. Allerdings weise die Mehrheit der Branchen im Sog der Frankenstärke niedrigere Preise aus, schreibt die Zollverwaltung.

Uhrenindustrie legt zu

Auch umsatzmässig erlitten zwei Drittel der Exportbranchen eine Einbusse. Am deutlichsten fiel der Rückgang bei der Papier- und Grafischen Industrie (nominal -13,1 Prozent) aus. Es folgen die Kunststoffindustrie (-8,8 Prozent) und die Maschinen- und Elektronikindustrie (-6,5 Prozent).

Zulegen konnten hingegen die Exporteure von Präzisionsinstrumenten (+2,6 Prozent) und die Uhrenindustrie (+3,1 Prozent). Bei den Bijouterie- und Juwelierwaren kletterten die Exporte gar um 21,7 Prozent, was die Zollverwaltung zum Teil mit Sortimentsverschiebungen erklärt.

Rückgang um 5 Prozent in Europa

Nach Kontinenten war der Exportrückgang nach Afrika (-12 Prozent) am höchsten. Der Versand nach Europa - mit einem Anteil von 57 Prozent der klar wichtigste Markt - nahm um 5 Prozent ab. Dagegen erhöhten sich die Lieferungen nach Asien und Nordamerika um je 6 Prozent.

Bei den Einfuhren resultierte wechselkursbedingt ein deutlicher Preisrückgang von 5,1 Prozent, insbesondere weil im Jahresvergleich Energieträger billiger wurden. Damit schrumpften die Importe nominal um 4,4 Prozent auf 42,4 Milliarden Franken, während preisbereinigt ein leichtes Plus von 0,8 Prozent resultierte. Die Handelsbilanz erreichte so einen Überschuss von 8,2 Milliarden Franken.

Im März stiegen die Ausfuhren um 3,2 Prozent (real: +4,2 Prozent) auf 17,9 Milliarden Franken. Indes zählte der diesjährige März einen Arbeitstag mehr als der Vergleichsmonat im Vorjahr; bereinigt sanken die Exporte laut Zollverwaltung um 0,7 Prozent (real: +0,2 Prozent).

Uhrenindustrie trotzt Frankenstärke

Der «Frankenschock» scheint bislang keine allzu gravierenden Auswirkungen auf den weltweiten Vertrieb von Schweizer Uhren ausgelöst zu haben. Nominal nahmen die Uhrenausfuhren im März mit einem Arbeitstag mehr als im Vorjahr um 6,3 Prozent auf 1,75 Milliarden Franken zu, real betrug das Plus gar 9,7 Prozent, wie den Zahlen der Zollverwaltung und des Uhrenverbandes (FH) zu entnehmen ist.

Nachdem die Uhrenexporte im Januar des laufenden Jahres ein nominales Wachstum von 3,7 Prozent erreicht haben, sind sie im Februar um 2,0 Prozent zurückgegangen. Für das erste Quartal ergibt sich somit ein nominaler Zuwachs von 3,1 Prozent auf 5,12 Milliarden Franken, real beläuft sich das Plus auf 4,2 Prozent.

Starker Anstieg der Stückzahlen

Der Uhrenverband schreibt in der Mitteilung von einer Erholung der Uhrenexporte gemessen am Wert und von einem starken Anstieg der exportierten Stückzahlen. Insgesamt wurden 2,3 Mio Armbanduhren in die ganze Welt geliefert was gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg von 13 Prozent entspricht.

Dabei wurden beinahe 105'000 (+11 Prozent) Gold-Stahluhren, knapp 42'000 (+7,8 Prozent) Golduhren sowie 1,21 Mio (+7,1 Prozent) exportiert. Die stärksten Zuwächse erfuhren Uhren, die aus weiteren Metallen (+35 Prozent auf 313'000 Stück) und anderen Materialien (+17 Prozent auf 668'000) gefertigt sind.

Wachstum in Europa, USA und Singapur

Aufgeteilt nach Preiskategorien fällt auf, dass die billigsten Uhren mit einem Exportpreis bis 200 Franken sowohl gemessen an den Stückzahlen als auch am Wert mit je 23 Prozent den klar stärksten Anstieg erreicht haben. Aber auch die teuersten Zeitmesser (Exportpreis von 3'000 Franken und mehr) legten in Stück mit 5,5m Prozent und im Wert mit 8,3 Prozent gut zu, während im Preissegment von 500 bis 3'000 CHF nur kleine Veränderungen und bei Uhren mit Preisen zwischen 200 bis 500 Franken gar ein Rückgang (Stück: -6,1 Prozent; Wert: -2,9 Prozent) auszumachen ist.

Besonders stark sind die Ausfuhren von Schweizer Uhren in europäische Länder wie etwa Frankreich (+7,1 Prozent), Italien (+13 Prozent) und insbesondere Grossbritannien (+45 Prozent) ausgefallen. Aber auch der zweitgrösste Exportmarkt USA (+22 Prozent) entwickle sich nach wie vor «sehr dynamisch» und der viertgrösste Markt Singapur (+27 Prozent) habe sich stark erholt, heisst es weiter.

Hongkong nach wie vor schwach

Dagegen entwickelt sich der wichtigste Absatzmarkt für die Schweizer Uhrenindustrie, Hongkong, mit einem Rückgang um 14 Prozent nach wie vor schwach und auch die Ausfuhren nach China waren nach zwei positiven Monaten im März mit 2,4 Prozent rückläufig. Derweil habe der Rückgang um 5,1 Prozent nach Japan vor allem mit der hohen Vorjahresbasis zu tun, so die Mitteilung.

(sda/dbe/ama)

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