Der Handel in der Schweiz steht unter Druck. So hat die Frankenstärke den Einkaufstourismus anschwellen lassen. Bei neuen Freihandelszonen steht die Schweiz abseits. Um diesem Druck standhalten zu können, braucht es gemäss Handel Schweiz Milliardeninvestitionen.

Die Branchenorganisation rechnet dabei mit Aufwendungen von insgesamt 4 Milliarden Franken in den nächsten fünf Jahren. Damit soll insbesondere die Warenbewirtschaftung digitalisiert werden. «Nur diese ermöglichen eine Automatisierung der Bestellprozesse und eine Integration in die grossen Onlinehandelsplätze», erklärte Handel Schweiz Direktor Kaspar Engeli an einer Medienkonferenz am Dienstag in Zürich.

Weitere Freihandelsabkommen

Des Weiteren setzt Handel Schweiz auf den Abschluss weiterer Freihandelsabkommen. Denn die Welt um die Schweiz herum verändere sich rasant. Mit den neuen Freihandelszonen im Pazifik und zwischen den USA und der EU entstünden neue Wirtschaftsräume von noch nie da gewesener Grösse, sagte Engeli. «Für die Schweiz geht es darum, den Anschluss nicht zu verpassen.»

Um dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen, empfiehlt Handel Schweiz vermehrt ausländische Mitarbeiter anzustellen. Denn der Handel könne bei der Entlöhnung nicht mit den Hochlohnbranchen mithalten. Gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Handel wechselten in die Pharma- oder in die Bauindustrie.

Starkes Wachstum

Eine Studie der Forschungsstelle Bakbasel geht dabei davon aus, dass die Wertschöpfung im Handel in den nächsten zehn Jahren jährlich um 2,2 Prozent steigt. Damit sagt die Forschungsstelle dem Handel ein stärkeres Wachstum voraus als der Schweizer Wirtschaft, bei der die Prognose nur auf 1,8 Prozent lautet.

Gleichzeitig jedoch soll die Zahl der Beschäftigten in der Handelsbranche bis 2025 um jährlich 0,4 Prozent schrumpfen, während sie für die gesamte Schweizer Wirtschaft um 0,5 Prozent wachsen soll.

Weiter sinkende Beschäftigungsquote

Damit geht Bakbasel von einer Fortsetzung der bisherigen Entwicklung aus. So hat sich der Anteil des Handels an der Gesamtbeschäftigung in der Schweiz von 1980 bis 2014 von rund 17 Prozent auf 14 Prozent reduziert. Dabei sank vor allem die Beschäftigungsquote im Detailhandel, während sie im Auto- und dem Grosshandel konstant blieb.

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Gemäss den Prognosen wird diese allgemeine Entwicklung weitergehen. Mit dem Unterschied jedoch, dass künftig vor allem im Autohandel die Beschäftigung stark abnehmen wird. Engeli sieht aber auch den Detailhandel in Gefahr: «Bleibt der Einkaufstourismus bestehen oder verstärkt es sich, so muss mit grossflächigen Entlassungen und Lohnsenkungen gerechnet werden.» In den letzten zwei Jahren seien durch den Einkaufstourismus in der Schweizer Wirtschaft insgesamt rund 20'000 Stellen verloren gegangen.

(sda/ise)